Diskriminierung?

Laut Studie: Lehrer geben dicken Kindern schlechtere Noten

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22. November 2019 - 20:07 Uhr

Studie in den USA zeigt erschreckendes Bild

Lehrer sollen übergewichtige Schüler schlechter bewerten als normalgewichtige. Dies zeigt eine Studie von Forschern des Canisius Colleges in Buffalo (USA). Was ist wirklich dran und wie können Lehrer verhindern, beim Benoten von Vorurteilen oder Antipathien beeinflusst zu werden?

Der gleiche Aufsatz wurde unterschiedlich bewertet

Übergewicht bei Kindern kann gesundheitliche Probleme nach sich ziehen oder Mobbing begünstigen. Auch wenn klar ist, dass eine ausgewogene Ernährung und genug Bewegung (letzteres bekommen einer aktuellen Studie zufolge nur 20 Prozent der Kinder) wichtig für das Wohlbefinden eines Kindes sind, sollte niemand aufgrund seines Körpergewichts benachteiligt werden. Doch genau dies sollen Lehrer der US-Studie zufolge tun.

Im Rahmen der Studie, die in der Wiley Online Library veröffentlicht wurde, wurden 133 Lehrer und Lehrerinnen im Staat New York gebeten, den Essay eines elfjährigen Schülers zu bewerten. Den einzelnen Teilnehmern der Studie, die nicht wussten, dass es dabei um die Diskriminierung von Übergewichtigen geht, wurde jeweils einer von vier als durchschnittlich eingestuften Aufsätze vorgelegt. Dazu erhielten sie das Foto eines Mädchens, das den Essay geschrieben haben solle. Auf den Bildern waren entweder die fotografierten normalgewichtigen Mädchen zu sehen, oder eine per Bildbearbeitung veränderte Version, auf der die Mädchen ungefähr 20 Kilo schwerer aussahen.

Ergebnis: Lehrer lassen sich von Vorurteilen beeinflussen

Anschließend wurden die Lehrerinnen und Lehrer gebeten, den Aufsatz zu benoten und einzuschätzen, ob sich das Kind beim Verfassen des Textes Mühe gegeben hätte und ob es zusätzliche Förderung in Form von Nachhilfe benötige.

In der Auswertung zeigte sich, dass die Lehrer die Aufsätze der scheinbar übergewichtigen Schüler nicht nur insgesamt schlechter bewerteten, sondern auch eher dachten, dass die Verfasserinnen Nachhilfe benötigten und generell schlechter in der Schule seien als die in der normalgewichtigen Gruppe. Im Anschluss sollten die Lehrer selbst einschätzen, ob sie sich bei der Benotung vom Aussehen der Schülerin haben beeinflussen lassen – was die meisten verneinten.

Studienautorin Kristin E. Finn und ihr Team ziehen daraus den Schluss, dass Lehrer sich unbewusst von den Vorurteilen über Übergewichtige leiten lassen. Die Forscher empfehlen, dass Lehrerinnen und Lehrer speziell darin geschult werden sollten, ihre eigene Voreingenommenheit infrage zu stellen.

Faire Benotung: Wie ist die Lage in Deutschland?

Eine deutsche Studie zeigte bereits, dass Lehrer sich bei der Benotung vom Vornamen ihrer Schüler beeinflussen lassen. Im Rahmen dieser Studie wurden Arbeiten, die unter dem Namen Maximilian eingereicht wurden, besser bewertet als solche mit dem Namen Kevin.

Es gibt also auch in Deutschland das Problem, dass Lehrer sich beim Benoten nicht von Vorurteilen freimachen können. Ob auch hierzulande ein höheres Körpergewicht zu Benachteiligung führt, ist zwar noch nicht mit einer Studie untermauert, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollten Lehrkräfte sich gezielt fragen, ob sie beim Benoten wirklich fair vorgehen. Viele Experten fordern bereits, dass Klassenarbeiten anonymisiert bewertet werden sollten.