Die Debatte um die Kanzler-Frage nimmt Fahrt auf

Union: Das Rennen wird zwischen Armin Laschet und Markus Söder entschieden

Union: Das Rennen wird zwischen Armin Laschet und Markus Söder entschieden
Die Debatte um die K-Frage in der Union nimmt Fahrt auf
gki tba fdt jai gfh tba amr gfh, dpa, Guido Kirchner

Von Heike Boese

Von "vorösterlicher" Ruhe ist die Union gerade so weit entfernt, wie die Deutschen von einem entspannten Café-Besuch in der Fußgängerzone. Das katastrophale Corona-Management wird vor allem den CDU-Ministern Spahn und Altmaier und der Bundeskanzlerin angelastet, für das Agieren der "Masken-Raffkes" in CDU und CSU wird die gesamte Union in Regress genommen. In der Folge gingen Umfragewerte stetig in den Keller und die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz krachend wurden verloren.

Angela Merkel sieht "keinen Rechtsanspruch" auf das Kanzleramt

Angela Merkel, als Bundeskanzlerin fast 16 Jahre ein Garant für hohe Beliebtheitswerte in der Bevölkerung und stabile Erfolge bei Bundestagswahlen, geht zusehends die Kraft aus. Sie verabschiedet sich im Herbst von der politischen Bühne. Und dann? In einer Mischung aus Ratlosigkeit und Ironie hat sie selbst am Sonntagabend in einem Interview mit der ARD sinngemäß gesagt, dass die CDU "keinen Rechtsanspruch" auf das Kanzleramt habe. Richtig, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder waren ja keine kollektiven Halluzinationen, aber es sollte doch wenigsten das erklärte Ziel bleiben, auch den nächsten Regierungschef zu stellen.

Das Rennen wird zwischen Armin Laschet und Markus Söder entschieden

Die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien - vor allem den starken Grünen - wird herausfordernd genug, da sollte langsam mal klar sein, wen die Union ins Rennen um das Kanzleramt schickt. Wenn kein Überraschungskandidat mehr auftaucht, wird die Entscheidung zwischen Armin Laschet und Markus Söder fallen. Beide Vorsitzende ihrer Partei, beide Ministerpräsidenten großer Bundesländer. Nachdem sich Laschet in einem kräftezehrenden internen Wettbewerb gegen Norbert Röttgen und Friedrich Merz als Parteivorsitzender durchgesetzt hatte, haben schon einige in der CDU sein Gesicht auf den Wahlplakaten gesehen. Andere - vor allem bei der "kleinen" bayerischen Schwester - glauben, dass Söder die besten Chancen im Rennen gegen Olaf Scholz von der SPD und Robert Habeck oder Annalena Baerbock von den Grünen hat.

Trendbarometer: Die Union im Sturzflug! Desaströse Umfragewerte
02:03 min
Desaströse Umfragewerte
Trendbarometer: Die Union im Sturzflug!

30 weitere Videos

Mohring: "Wir brauchen unmittelbar nach Ostern eine klare und schnelle Entscheidung"

Die Union will irgendwann zwischen Ostern und Pfingsten darüber entscheiden, und bis dahin vermeiden es die meisten prominenten Konservativen und Ministerpräsidenten, sich öffentlich für den ein oder anderen stark zu machen. Mike Mohring, Mitglied im Bundesvorstand der CDU, macht jetzt aber Druck: "Wir brauchen unmittelbar nach Ostern eine klare und schnelle Entscheidung", sagte Mohring am Montag gegenüber RTL/ntv. Mohring traue die Kanzlerkandidatur beiden zu, aber Laschet als Parteivorsitzender der CDU "muss zugreifen".

Eine junge Landtagsabgeordnete will nicht länger warten: Ellen Demuth spricht sich für Söder aus

Eine jüngere CDU-Politikerin hat längst die Nase voll vom Taktieren. Weil sie "für persönliche Eitelkeiten kein Verständnis mehr hat", spricht sich Ellen Demuth öffentlich für Markus Söder aus. Gegenüber RTL/ntv erklärt die Landtagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz ihre Wahl: "Wenn wir bei der Bundestagswahl noch eine Chance haben wollen, müssen wir mit dem stärksten Kandidaten antreten, den wir haben. Das ist ganz klar Markus Söder." Er habe in Bayern gezeigt, "wie man ein Land für die Zukunft aufstellt. Nur ihm traue ich in der aktuellen Lage zu, die Wahl für die Union zu gewinnen". Für ihren eigenen Parteivorsitzenden Armin Laschet ist das eine deutliche Klatsche.

Wolfgang Schäuble rät zu später Kandidatenkür

Wolfgang Schäuble, sitzt seit 1972 ununterbrochen im Bundestag und hat vermutlich alles erlebt, was die große politische Bühne so zu bieten hat. Der Bundestagspräsident empfiehlt der Union, den Kanzlerkandidaten so spät wie möglich aufzustellen - vor allem wegen der anhaltend großen Präsenz der Bundeskanzlerin. Ihr potentieller Nachfolger werde sich zu ihr positionieren müssen. Das birgt die Gefahr, entweder als "Schoßhündchen" oder als "Nestbeschmutzer" dazustehen. Schäuble ahnt womöglich, dass es im Herbst für seine Partei nicht reichen könnte. Für diesen Fall bereitet er die Union schon mal darauf vor, dass die "Welt dann nicht untergeht".