Langjähriger Klitschko-Manager im Interview

Bönte: "Wilder wird sich von Fury nicht wieder provozieren lassen"

Wilder vs Fury 2
Wilder vs Fury 2
© Imago Sportfotodienst

20. Februar 2020 - 15:59 Uhr

Mega-Fight zwischen "außergewöhnlichen Typen"

Am 22. Februar kommt es in Las Vegas zur lang ersehnten Revanche zwischen Deontay Wilder (USA) und Tyson Fury (ENG). Das Duell der ungeschlagenen Giganten - Wilder misst 2,01 Meter, Fury 2,06 Meter - elektrisiert die Massen, für viele Boxfans und Experten ist es der größte Schwergewichts-Fight seit Jahren. Im legendären MGM Grand Hotel steht neben Wilders WBC-Titel auch Furys Status als "linearer" Weltmeister sowie der prestigeträchtige Gürtel des Fachmagazins 'The Ring' auf dem Spiel. Bernd Bönte kennt die Rivalen um die Schwergewichts-Krone, hat beide schon aus nächster Nähe in Aktion erlebt. Im Interview mit RTL/ntv erklärt der langjährige Manager von Vitali und Wladimir Klitschko, was Wilder vs. Fury II so besonders macht und wen er als Sieger sieht.

"Wilder reicht eine kurze Unaufmerksamkeit"

Was macht den zweiten Kampf zwischen Wilder und Fury – gerade auch aus Promoter-Sicht – so faszinierend?

Bernd Bönte: Faszinierend ist bei diesem Duell vor allem, dass es nach dem umstrittenen Unentschieden im Hinkampf viele ungeklärte Fragen gibt. Beide Protagonisten sind noch dazu außergewöhnliche Typen und speziell in den USA durch eine Mega-Promotion rund um den Super Bowl einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Was macht die beiden Boxer im Ring so besonders?

Bönte: Ich kenne beide persönlich: Fury aus der Promotion des ersten Kampfes gegen Wladimir und des später wegen Furys Drogenmissbrauch und psychischen Komplettzusammenbruchs abgesagten Rückkampfes. Mit Deontay Wilder hatte ich schon Kontakt als er Sparringspartner von Wladimir im Trainingscamp war.

Fury ist durch seinen besonderen Stil extrem schwer zu boxen. Er ist mit 2,06 Meter extrem lang, hat eine große Reichweite und ist trotz seiner Größe und seines Gewichts sehr beweglich. Dazu wechselt er noch oft die Auslage. Furys Manko ist seine mangelnde Schlagkraft und seine Überheblichkeit, die ihn oft Fehler machen lässt.

Wilder ist boxerisch deutlich schwächer als Fury, hat aber die mit Abstand größte Schlagkraft aller aktuellen Topleute im Schwergewicht. Ihm reicht eine kurze Unaufmerksamkeit des Gegners und der Kampf ist vorbei.

Manager Bernd Bönte hört Vitali Klitschko ganz genau zu.
Bernd Bönte (hier mit Vitali Klitschko) hat in seiner Zeit als Klitschko-Manager sowohl Tyson Fury als auch Deontay Wilder kennengelernt
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Was erwarten Sie am 22 Februar in Las Vegas - wer gewinnt das Ding?

Bönte: Wilder hat bewiesen, dass er lernfähig ist. In den Rückkämpfen gegen Bermane Stiverne (2017 K.o.-Sieg in der 1. Runde, d. Red.) oder Luis Ortiz (2019 K.o.-Sieg in der 7. Runde, d. Red.) sah er besser aus als in den ersten Duellen.

Er hat gute Nerven und wird sich nicht wie im ersten Kampf von Fury provozieren lassen. Wilder hat Ortiz in seinem letzten Kampf deutlich besiegt, Fury hingegen hatte gegen Otto Wallin große Schwierigkeiten. Deontay hat das Momentum auf seiner Seite und wird diesmal vorzeitig gewinnen.

Das Interview führten Timo Meerkamp und Martin Armbruster