Landgericht Potsdam: Prozess gegen mutmaßlichen Mörder von Elias (6) und Mohamed (4) beginnt

26. Juli 2016 - 20:07 Uhr

Verhandlung unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen

Er soll den sechsjährigen Elias und den vierjährigen Mohamed umgebracht haben: Silvio S. Am Dienstagmorgen hat in Potsdam unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen den mutmaßlichen Kinderschänder und Mörder begonnen. Die Anklage wirft ihm vor, im vergangenen Jahr die beiden Jungen Elias und Mohamed zunächst misshandelt und anschließend getötet zu haben.

Angeklagter Silvio S. wird in den Gerichtssaal geführt
Der Angeklagte Silvio S. wollte sich heute nicht zu seinen Taten äußern
© dpa, John Macdougall

Wochenlang hatten die Behörden im Herbst 2015 nach Silvio S. gefahndet. Der Täter soll dem kleinen Elias auf einem Spielplatz in Berlin aufgelauert und ihn betäubt haben. Anschließend habe er versucht, ihn in seinem Auto sexuell zu missbrauchen. Als sich der Sechsjährige wehrte, habe Silvio S. ihn offenbar stranguliert.

Drei Monate später machte er sich die chaotischen Zustände an der Berliner Flüchtlingseinrichtung LAGeSo zunutze und entführte dort den kleinen Mohamed. Der Vierjährige war Ende des Jahres mit seiner Mutter und seiner kleiner Schwester aus Bosnien-Herzegowina nach Deutschland gekommen. Mohamed wurde von Silivo S. betäubt und sexuell missbraucht. Schließlich erwürgte der Täter den kleinen Jungen mit einem Gürtel.

Erst durch die Aufnahmen einer Überwachungskamera wurde der 33-jährige Wachmann überführt. Seine Mutter hatte ihn auf den deutschlandweit zur Fahndung veröffentlichten Bildern erkannt und zur Rede gestellt. Offenbar hatte S. die Taten geplant, Medienberichten zufolge soll er die Verbrechen sogar an Puppen geübt haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stießen die Ermittler auf zahlreiches kinderpornografisches Material.

Mütter der toten Kinder sitzen im Gerichtssaal

Die Mutter des kleinen Mohamed im Gerichtssaal
Die Mutter des kleinen Mohamed tritt als Nebenklägerin auf
© dpa, John Macdougall

Nach seiner Verhaftung hatte Silvio S. gegenüber der Polizei gestanden, Mohamed und Elias umgebracht zu haben, gab aber keine weiteren Details Preis. Er sagte den Ermittlern lediglich, wo er die Leiche des Jungen vergraben hatte. Silvio S.' Motive sind derweil weiter unklar. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er die Jungen umgebracht habe, um seine Taten zu verschleiern.

Dutzende Beamte sind schon am ersten von insgesamt zwölf Prozesstagen in Potsdam im Einsatz. Pressevertreter mussten sich ähnlich wie beim NSU-Verfahren in München vorab zur Verhandlung anmelden. Vor dem Prozess soll es Morddrohungen gegen Silvio S. gegeben haben.

Zum Prozessauftakt am Dienstagmorgen waren auch die Mütter der beiden Jungen gekommen. Beide treten als Nebenklägerinnen auf. Der Angeklagte selbst will sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Das sagte sein Anwalt Mathias Noll laut Medienberichten.