Landgericht München fällt Urteil mit Signalwirkung: VW muss Kaufpreis für manipulierten Diesel-Golf erstatten

Der Dieselskandal hat Volkswagen einen beträchtlichen Imageschaden zugefügt.
Der Dieselskandal hat Volkswagen einen beträchtlichen Imageschaden zugefügt.
© dpa, Marcel Kusch, mku kno nwi

11. Juni 2018 - 19:18 Uhr

Wegweisendes Urteil im VW-Abgasskandal?

In der Affäre um manipulierte Dieselautos hat Volkswagen einen ordentlichen Imageschaden erlitten, ist finanziell aber glimpflich davongekommen. Zumindest bisher, denn: Einem Autobesitzer aus Solln muss der Konzern jetzt den kompletten Kaufpreis für seinen Golf zurückzahlen, entschied das Landgericht München. Es könnte ein wegweisendes Urteil sein.

Ein umweltfreundlicher Diesel für die Familie – von wegen

Auch der Umwelt zuliebe investierte Christian Palka (58) aus Solln 2014 in einen Golf Plus Blue Motion TDI, berichtet "tz.de". Für stolze 25.900 Euro erwarb der 58-jährige Manager einen schicken Zweitwagen. Und ein Auto, das besonders wenige Schadstoffe ausstößt – dachte er zumindest. "Er hatte die richtige Größe für mich, meine Frau und unsere Tochter", sagt Palka. "In ein paar Jahren wollten wir ihn dann weiterverkaufen."

Doch mit dem VW-Abgasskandal folgte die Ernüchterung: Volkswagen hatte die Software in Dieselautos manipuliert, um in Tests hohe Schadstoffemissionen zu verschleiern. Während in den USA rund 350.000 Autokäufer mit insgesamt gut sieben Milliarden Dollar entschädigt worden sind, ist der Klageweg in Deutschland beschwerlich, weil es hierzulande keine Sammelklage gibt. Aber Christian Palka war sich sicher: "In so einem Fall müssen die Bürger sich wehren." Deshalb reichte er Klage am Landgericht ein – und gewann: Im Verhalten des Autokonzerns VW sahen die Richter eine "vorsätzliche sittenwidrige Schädigung". Die Schummel-Software stelle einen Mangel dar, von dem die Käufer nichts wissen konnten. Noch bis Mitte Juni kann VW Einspruch einlegen.

"Gerichte stehen auf der Seite der Verbraucher"

Palkas Anwalt Markus Klamert hält das Urteil für "eine Sensation". Mit seinem Kollegen Marc Frey hat er im Dieselskandal schon Dutzende Urteile gegen Volkswagen erstritten. "Die Gerichte stehen aktuell klar auf der Seite der Verbraucher", sagt Frey. Der Fall des Sollner Familienvaters könnte also Signalwirkung haben. Wenn VW den Golf zurückgenommen hat, will Christian Palka beim Autokauf weiterhin auf deutsche Hersteller setzen. "Aber kein VW mehr", ist er sich sicher.