Land unterstützt Bergung von Geisternetzen aus der Ostsee

Geborgene Geisternetze werden an Bord der "Goor II" gehoben. Foto: Christian Till/Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V./obs
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16. Februar 2021 - 18:12 Uhr

Schwerin (dpa/mv) - Die Umweltschutzorganisation WWF erhält beim Aufspüren und Bergen sogenannter Geisternetze in der Ostsee Unterstützung vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag in Schwerin mitteilte, gewährt sein Ressort 200.000 Euro aus Mitteln der Fischereiabgabe. Damit setze erstmals ein Bundesland solche Gelder für die Beseitigung der im Meer treibenden Netze ein, die vielfach Gefahren für Meerestiere und Schifffahrt bilden.

Der WWF werde zwei Jahre lang die Suche, Bergung und Entsorgung von Geisternetzen federführend durchführen und dabei mit Fischern und Behörden eng zusammenarbeiten. Erstmals kommt nach Angaben von Backhaus dabei auch ein landeseigenes Schiff zum Einsatz. Das Pilotprojekt laufe über zwei Jahren und werde von der Fischereiaufsicht des Landes begleitet und unterstützt.

"Geisternetz-Bergung vor unseren Küsten muss zur staatlichen Aufgabe werden. Mit diesem Projekt schafft Mecklenburg-Vorpommern als Pionier unter den Küstenbundesländern die Grundlagen dafür und übernimmt Verantwortung für den gefährlichen Plastikmüll aus alten Netzen", sagte Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros.

Nach seinen Angaben hat der WWF bislang etwa 1,5 Millionen Euro in die Entwicklung und Erprobung von Such- und Bergungsmethoden investiert. Seit 2013 seien insgesamt 18 Tonnen Geisternetze aus der deutschen Ostsee geborgen worden. Ziel des WWF sei es, dass das Land die Such- und Bergungseinsätze in Zusammenarbeit mit den Fischereien selbst durchführt. "Wir hoffen, dass die anderen Küstenbundesländer nachziehen und sich bei Suche und Bergung von Geisternetzen in ihren Gewässern engagieren", sagte Lamp.

Backhaus verwies auf wissenschaftliche Studien, nach denen mehr als 640.000 Tonnen Geisternetze in den Weltmeeren treiben. Laut Umweltbundesamt ließen sich 2011 bis 2017 an Stränden der Nordsee 30 Prozent der Plastikfunde auf die Fischerei zurückführen, an der Ostsee 7 Prozent. Die Umweltminister der Länder hätten 2019 beschlossen, der Meeresverschmutzung durch Geisternetze mit Nachdruck entgegenzuwirken.

Als häufigste Ursache für den Verlust von Fanggeschirr in der Ostsee gilt das Überfahren von Stellnetzen mit Sportbooten und Arbeitsschiffen. Auch bei Stürmen werden Netze abgerissen und auf das Meer getrieben, wo sie zu tödlichen Fallen für Fische, Schweinswale, Robben oder Seevögel werden können.

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Quelle: DPA