Lampedusa: Gegen überlebende Flüchtlinge soll ermittelt werden

22. Mai 2014 - 13:05 Uhr

Die traurige Realität der europäischen Abschottungspolitik

Nach dem fürchterlichen Flüchtlingsdrama vor der italienischen Küste, bei dem mehr als 130 Menschen ihr Leben verloren, beeilten sich Politiker jeglicher Couleur mit Versprechungen, die Asylpolitik der Europäischen Union zu überdenken. Doch schon wenige Tage nach den Beileidsbekundungen zeigt sich, welche Gesetze sich die Diplomaten in Brüssel gemeinsam mit den Regierungen der Nationalstaaten da ausgedacht haben.

Lampedusa, Flüchtlingsdrama
Gegen die 155 Überlebenden des Flüchtlingsdramas vor der Insel Lampedusa soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden.
© dpa, Guardia Costiera Press Office

Gegen die 155 Überlebenden des Flüchtlingsdramas vor der Insel Lampedusa soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden. Das sehen die Gesetze einfach so vor. Sobald sie identifiziert seien, geschehe dies zwangsläufig, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Den Afrikanern droht eine Geldstrafe von bis zu 5.000 Euro. Zusätzlich zu dem Schock, womöglich Angehörige bei dem Drama verloren zu haben, zusätzlich zu der seelischen Belastung, Freunden beim Sterben zugesehen zu haben, zusätzlich zu den Strapazen der Flucht, zusätzlich zu den Zahlungen an die menschenverachtenden Schlepper, zusätzlich zu dem Wissen, die Familie im Heimatland zurückgelassen zu haben, sollen die Flüchtlinge jetzt also auch noch eine Geldstrafe zahlen. Das ist die traurige Realität der europäischen Abschottungspolitik.

Das Boot der Flüchtlinge war am Donnerstag vor der Insel Lampedusa in Flammen aufgegangen und gekentert. Mehr als 100 Menschen starben bei der Tragödie, Hunderte weitere gelten noch als vermisst.