Lampedusa: Dutzende Flüchtlinge sterben bei Schiffbruch

25. Oktober 2013 - 20:18 Uhr

"Sie bringen immer mehr Tote"

Mindestens 133 Bootsflüchtlinge sind bei einem Schiffbruch vor der italienischen Insel Lampedusa ums Leben gekommen. Unter den Toten seien auch Kinder und Frauen, sagte Bürgermeisterin Giusi Nicolini der Nachrichtenagentur Ansa. Viele Menschen werden noch vermisst, die Zahl der Opfer könnte daher noch steigen.

Flüchtlingsdrama vor Lampedusa
Die etwa 500 Menschen an Bord des Flüchtlingsbootes stammten aus Eritrea und Somalia.
© dpa, Nino Randazzo

Das Boot mit etwa 500 Menschen an Bord hatte vor der Nachbarinsel Isola dei Conigli Feuer gefangen und war gekentert. Etwas mehr als 155 Menschen konnten von der Küstenwache in Sicherheit gebracht werden; andere versuchten, sich selbst über Wasser zu halten.

Berichten zufolge sollen Migranten auf dem Schiff eine Decke angezündet haben, um dadurch ein Fischerboot in der Nähe auf sich aufmerksam zu machen. Das Feuer breitete sich daraufhin auf dem Boot aus. Das tunesische Innenministerium teilte mit, das Boot sei in Libyen aufgebrochen und auf seinem Weg nach Lampedusa an der tunesischen Hafenstadt Sfax vorbeigefahren.

"Es ist schrecklich - wie auf einem Friedhof; und sie bringen immer mehr Tote", sagte Nicolini nach dem zweiten Flüchtlingsdrama innerhalb weniger Tage. "Sie hören nicht auf, weitere Leichen zu bringen." Die Migranten sollen Medienberichten zufolge aus Eritrea und Somalia stammen. Sie waren etwa zwölf Stunden vor dem Unglück an der libyschen Küste aufgebrochen.

"Eine Tragödie, für die es keine Worte gibt"

Innenminister Angelino Alfano sollte nach einem Treffen mit Regierungschef Enrico Letta nach Lampedusa reisen. Letta bezeichnete den Tod der Migranten als "ungeheure Katastrophe". Die Minister von Alfanos Partei Volk der Freiheit (PdL) sagten eine geplante Pressekonferenz ab. "Beten wir für die Opfer des tragischen Schiffbruchs vor Lampedusa", schrieb Papst Franziskus auf Twitter.

Mit Bestürzung hat die EU-Kommission auf das erneute Flüchtlingsdrama im Mittelmeer reagiert. "Es ist wirklich eine Tragödie, ganz besonders, weil auch Kinder betroffen sind", sagte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn. Er spreche stellvertretend für die Kommission und die anderen EU-Institutionen. "Es ist etwas, über das Europa wirklich traurig sein muss und wir sollten sehen, wie wir die Lage verbessern", sagte Hahn.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren, einer der mutmaßlichen Schleuser wurde Medienberichten zufolge bereits festgenommen. "Eine enorme Tragödie, für die es keine Worte gibt", sagte Vize-Innenminister Filippo Bubbico.

Kurz zuvor war ein Boot mit 463 Migranten vor Lampedusa angekommen. Bei gutem Wetter versuchen immer wieder Flüchtlinge die europäischen Küsten zu erreichen. Oft endet die Überfahrt auf den kaum seetüchtigen Booten für einige von ihnen tödlich. Erst am Montag waren 13 Menschen vor der italienischen Küste ertrunken.