Lage in Griechenland eskaliert: Flüchtlinge reißen Grenze nieder

Mit bloßen Händen gegen den Stacheldraht

An der griechisch-mazedonischen Grenze ist die Situation eskaliert, und hat so eine eindrucksvolle Unterrichtseinheit für all die Menschen geliefert, die meinen, das sogenannte Flüchtlingsproblem ließe sich mit geschlossenen Grenzen lösen. Dabei sollte eigentlich jeder wissen, dass ein Problem, das vor der Haustür steht, nicht weniger schwierig ist als eines, das es sich im Wohnzimmer gemütlich macht. Es ist eben nur anders schwierig.

Lage in Griechenland eskaliert: Flüchtlinge reißen Grenze nieder
Lage in Griechenland eskaliert: Flüchtlinge reißen Grenze nieder.
REUTERS, ALEXANDROS AVRAMIDIS

Und so konnten wir gerade live im Fernsehen oder – wie RTL-Reporter Stephan Framke – live vor Ort beobachten, wie hunderte verzweifelte Flüchtlinge die Bahntrasse und den Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien gestürmt haben. Die mazedonische Polizei setzte Tränengas ein, um die Menschen zu stoppen. Auslöser war nach Medienberichten ein Gerücht, wonach Mazedonien angeblich seine Grenze wieder für alle Migranten geöffnet habe. "Frei, frei, wir können rüber", schrie ein Flüchtling im griechischen Fernsehen. Griechische Grenzpolizisten sagten, das Gerücht stimme nicht, die Grenze sei geschlossen.

Dutzende Migranten erreichten den von Mazedonien errichteten Zaun. Einigen gelang es, einen Teil niederzureißen, wie das griechische Fernsehen zeigte. Manche rissen mit bloßen Händen am Stacheldraht und benutzten verschiedene robuste Gegenstände als Rammbock. Mazedonische Polizisten versuchten gleichzeitig auf der anderen Seite, den Zaun zu stützen.

Die griechische Polizei hielt sich zunächst aus Angst vor einer Eskalation zurück. Am Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien harren nach Schätzungen mehr als 7.000 Migranten aus. In der Nacht durften 305 Flüchtlinge nach Norden weiterreisen, wie griechische Polizisten berichteten. Seit etwa vier Uhr am frühen Montagmorgen war der Grenzzaun geschlossen, hieß es.