Längster Bahnstreik zu Ende: Wie geht es weiter?

21. Mai 2015 - 19:36 Uhr

Versöhnliche Töne von Weselsky

Nach knapp einer Woche ist der bisher längste Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei der Deutschen Bahn am Sonntagmorgen zu Ende gegangen. Im Laufe des Sonntagnachmittags soll bereits ein Großteil der Züge wieder regulär fahren, betonte die Bahn in ihrem Verkehrskonzept. Mancherorts sei allerdings auch am Montag noch vereinzelt mit Zugausfällen und Verzögerungen zu rechnen.

GDL-Chef Claus Weselsky
GDL-Chef Weselsky will den Bahnkunden eine "Pause" gönnen.
© dpa, Lukas Schulze

Wie aber geht es nun weiter mit dem völlig verhärteten Fronten in einem festgefahrenen Tarifkonflikt? Die Gewerkschaft drohte bereits mit weiteren Streiks, falls die Bahn nicht auf ihre Forderungen eingehe. GDL-Chef Claus Weselsky betonte in der 'Saarbrücker Zeitung', die mittlerweile achte Arbeitsniederlegung im laufenden Tarifkonflikt sei ein "absoluter Erfolg" gewesen. Die Passagiere hätten viel Verständnis für die Positionen der Gewerkschaft aufgebracht.

Dann schlug Weselsky ausnahmsweise mal versöhnliche Töne an: "Das Land und die Bahnkunden haben jetzt eine Pause verdient - und die Bahn eine Nachdenkpause zum Reagieren", sagte er der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. Er wollte die Dauer der Pause nicht eingrenzen, versicherte aber, dass es momentan keine Pläne für einen neuen Ausstand gebe.

Bahnchef Rüdiger Grube wollte dem Vernehmen nach hinter den Kulissen nach neuen Lösungsmöglichkeiten in dem Streit suchen. Spitzenpolitiker aus CDU und SPD sowie Wirtschaftsverbände kritisierten das Vorgehen der GDL scharf.

Ramsauer (CSU): "Alle Lokführer verbeamten"

Der Ausstand hatte im Güterverkehr am Montag und im Personenverkehr am Dienstag begonnen. Vor allem in Ostdeutschland, wo die Lokführergewerkschaft GDL stärker organisiert ist, rollten nur etwa 15 Prozent der Züge. Im Westen waren es bis zu zwei Drittel. In Ballungszentren war zudem der S-Bahn-Verkehr betroffen.

Die GDL will in dem seit Monaten stockenden Tarifkonflikt für alle Berufsgruppen des Zugpersonals eigene Tarifverträge erstreiten. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warf Weselsky in der 'Neuen Passauer Presse' vor, das Streikrecht aus "persönlichen Machtinteressen" zu missbrauchen.

Sein Unionskollege Volker Kauder (CDU) warnte im SWR2 wie zuvor bereits Wirtschaftsverbände vor Folgen für den Standort Deutschland. Im kern geht es darum, dass die GDL eigene Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal aushandeln will. Während die Bahn nur die gleichen Bedingungen wie mit der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG akzeptieren will, drängen die Lokführer auf Abweichungen etwa bei der Arbeitszeit. Knackpunkt war zuletzt die Eingruppierung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn.

Um Arbeitskämpfe bei der Bahn in Zukunft zu vermeiden, plädiert der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dafür, alle 20.000 Lokführer zu verbeamten. "Der exzessive Streik der GDL ist eine ungewollte Folge der Bahnreform", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag der 'Bild am Sonntag'.

"Wenn keine Vernunft einkehrt, müssen Lokführer wieder verbeamtet werden. Wir dürfen unser Land nicht lahmlegen lassen." Lokführer mit Beamtenstatus, derzeit rund 5.000, fallen nicht unter den Tarifvertrag und dürfen nicht streiken. Sie wurden noch vor der Privatisierung der Bahn 1994 eingestellt.