Nach Auschreitungen in Stuttgart

Eisdielen-Besitzer: "Sie haben meine Waffelmaschine als Stein benutzt"

22. Juni 2020 - 15:56 Uhr

Im Video: Eisdielen-Besitzer über die Krawalle in Stuttgart

In der Innenstadt von Stuttgart ist kaum noch etwas zu sehen von den Schäden, die in der chaotischen Nacht durch Randale und Plünderungen entstanden sind. Trotzdem hat sie schlimme Folgen für Ladenbesitzer. Gianpetro Marion besitzt eine Eisdiele in der Königstraße und ist entsetzt über die beispiellose Gewalt. Über seine Sorgen spricht Marion im Video.

Entsetzen über exzessive Gewalt in der Innenstadt

Die Aufarbeitung der Chaos-Nacht vom Wochenende fängt jetzt erst an. Etwa 500 Menschen sollen an den Krawallen teilgenommen haben. Fest stehe laut Polizei: Die Randale war nicht politisch motiviert. Es seien vielmehr Menschen aus der Party- und Eventszene gewesen. Seit Wochen seien sie auffällig gewesen, manche hätten sich in sozialen Medien inszeniert. Viele Bürger sind traurig über das schlechte Bild, das Stuttgart durch die Vorfälle bekommt. "Stuttgart ist sonst eine ruhige Stadt, ich kann es nicht fassen, dass sowas passiert ist", sagt der Ladenbesitzer Gianpetro Marion.

Dass Party-Leute mal lauter wurden oder ein paar von ihnen betrunken aufeinander losgegangen seien, sei mal vorgekommen. Aber eine solche extreme Gewalt hätte der Ladenbesitzer bislang noch nicht erlebt. "Sie haben meine Waffelmaschine geklaut, sie ist aus Eisen. Sie haben sie wie einen Stein benutzt. Die Polizei fand sie in einem anderen Laden", erzählt Marion. "Wir haben alle unter dem Coronavirus gelitten, jetzt langsam können wir wieder arbeiten." Zwei seiner Mitarbeiter kamen vor kurzem erst aus Italien wieder nach Stuttgart – ausgerechnet dann sei es zu den Krawallen gekommen. Auslöser soll eine Kontrolle wegen eines Drogendelikts gewesen sein. 

Frust während Lockdown aufgestaut

Eine Randale, die ausgerechnet nach dem Lockdown in der Corona-Krise passiert. Aber genau darin liege laut Holger Schlageter das Problem. Der psychologische Berater sagte, dass sich während des Lockdowns viele Emotionen aufgestaut hätten und, dass das in dieser Zeit auch verständlich sei. Bei den Randalieren müsse es sich um Personen handeln, die ihre Emotionen zuvor nicht gut genug managen konnten. "Wenn eine Masse an Menschen ein Gefühl auslebt, das mit mir selber resoniert, also dass ich selber auch empfinde, dann werde ich völlig unbewusst mit reingezogen und gehe in der Masse auf", erklärt Schlageter das Phänomen.

Durch den Lockdown hatten viele Menschen weniger Gelegenheiten, Druck abzubauen. In diesem Fall scheine sich der Stress so lange aufgestaut zu haben, dass er schließlich destruktiv wurde und das ist gefährlich. "Junge Leute sind sowieso sehr emotional und haben ihre Emotionen nicht so unter Kontrolle, sie wissen nicht, wie sie damit umgehen können", erklärt der psychologische Berater. "Der Trick ist immer, die Gefühle, bevor sie auf 100 Prozent kommen, schon irgendwie rauszulassen." Doch genau dazu sind viele nicht in der Lage, weil sie nicht gut genug kommunizieren können oder es von Anfang an vermeiden.

Der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir sieht in den Ausschreitungen von Stuttgart einen Beleg für fehlenden Respekt und eine Verrohung der Gesellschaft. Hier spricht der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete in einem RTL-Interview über die Jugendlichen, die uns entgleiten.