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La Grande Fußball-Nation: Frankreich nach Sieg gegen Belgien im WM-Finale

St. Petersburg , 10.07.2018 Tor zum 1:0 durch Samuel Umtiti (FRA) gegen Torwart Thibaut Courtois (Belgien) Frankreich - Belgien *** St Petersburg 10 07 2018 Goal to 1 0 by Samuel Umtiti FRA against Goalkeeper Thibaut Courtois Belgium France Belgium
Die Entscheidung in St. Petersburg: Samuel Umtiti köpft Frankreich in den Fußball-Himmel - und Belgien ins Tal der Tränen. © imago/Moritz Müller, Moritz MŸller, imago sportfotodienst

Samuel Umtiti stürzt Belgien ins Tal der Tränen

Frankreich steht im Finale der Fußball-WM in Russland. Die "Equipe Tricolore" von Trainer Didier Deschamps bezwang im Halbfinale in St. Petersburg den Nachbarn Belgien mit 1:0 und hat am 15. Juli in Moskau die Chance, sich zum zweiten Mal nach dem Triumph bei der Heim-WM 1998 den Weltpokal unter den Nagel zu reißen. Ausgerechnet ein unscheinbarer Verteidiger stürzte Belgiens "brillante Generation" um die Superstars Eden Hazard und Kevin De Bruyne ins Tal der Tränen.

Umtiti schraubt sich in die Luft und nickt ein

Nicht Offensiv-Wunder Kylian Mbappe, nicht Stürmerstar Antoine Griezmann und auch nicht Mittelfeld-Dompteur Paul Pogba war Frankreichs Mann der Stunde - Abwehrmann Samuel Umtiti köpfte "Les Bleus" ins Endspiel.

Diese Szene wird in den kommenden Tagen von der Cote d’Azur bis zur Normandie rauf und runter laufen. 51. Minute: Griezmann schlägt eine Ecke auf den kurzen Pfosten, wo sich Umtiti (1,82 Meter) unwiderstehlich in die Luft schraubt und den belgischen Schlacks Marouane Fellaini (1,94 Meter) im Kopfball-Duell düpiert. Aus kurzer Distanz schlägt der Ball im kurzen Eck ein - nix zu machen für Belgiens Tormann Thibaut Courtois. Frankreich, La Grande Fußball-Nation!

"Ich platze vor Stolz. Wir haben Druck gemacht, wir haben gedrängt. Ich habe das Glück gehabt, wir alle zusammen haben ein super Spiel gemacht", jubelte Umtiti.

Frankreich zum dritten Mal in einem WM-Endspiel

Nach dem Führungstor zeigten die Franzosen, warum sie mehr oder weniger souverän ins Endspiel dieser WM marschiert sind. Defensiv bombensicher, perfekt organisiert und abgezockt als wäre das zweitjüngste Team der WM (Durchschnittsalter 25,6 Jahre) eine Veteranen-Elf, schaukelten die Blauen den Sieg über die Zeit. Immer wieder stutzte die französische Abwehrreihe der gefürchteten Offensive der "Roten Teufel" die Hörner. Den Vollgas-Fußballern Hazard, De Bruyne und Sturm-Monster Romelu Lukaku fiel nach dem Umtiti-Schock nicht viel ein, um den großen Nachbarn ernsthaft zu gefährden.

Belgien verpasste das erste WM-Endspiel seiner Fußball-Geschichte, Frankreich dagegen greift zum dritten Mal nach 1998 und 2006 nach dem Titel. Im Finale von Moskau trifft die Deschamps-Elf auf den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen Kroatien und England (das Spiel hier im Liveticker).

"Ich bin sehr glücklich für meine Spieler. Es war heute gegen einen starken Gegner sehr schwer. Chapeau vor meinen Spielern. Es ist etwas Außergewöhnliches", sagte Deschamps. Der 49-Jährige kann nach Mario Zagallo (1958,1962/1970) und Franz Beckenbauer (1974/1990) zum dritten Fußballer aufsteigen, der als Spieler und Trainer den Weltmeister-Pokal erringt. Deschamps war bei Frankreichs bisher einzigem Titelgewinn 1998 eine tragende Säule im Mitteleld gewesen.

Belgien startet verheißungsvoll

Vor 64.500 Zuschauern in St. Petersburg hatte in der 1. Hälfte zunächst Belgien den Ton angegeben. Frankreich durfte sich bei Torwart Hugo Lloris bedanken, der bei einem Drehschuss von Belgiens Verteidiger Toby Alderweireld zum Air-France-Jumbo mutierte und den Ball aus dem Tor-Eck kratzte (22.). Schon wenige Minuten zuvor hatte Verteidiger Raphael Varane einen Zwitter aus Schuss und Flanke von Hazard gefährlich knapp übers französische Tor abgefälscht (19.).

Erst nach etwas mehr als einer halben Stunde fing Frankreich an, sein gefürchtetes Umschaltspiel aufuziehen. Dass die Belgier immer häufiger den Ball verloren, kam der Deschamps-Truppe natürlich entgegen. Mbappe steckte den Ball auf rechts herrlich zu Benjamin Pavard durch, der frei vor Courtois abzog. Doch Belgiens Hüne (1,99 Meter) im Kasten fuhr seine langen Stelzen aus und entschärfte den Schuss des Stuttgart-Profis mit seinem rechten Knöchel - die beste Chance der Franzosen.

Varane, Umtiti und N'Golo Kante lassen nichts zu

French coach Didier Deschamps celebrates at the end of the FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball 2018 semi-finals soccer match between France and Belgium, at Saint Petersburg Stadium, Russia, 10 July 2018. FRANCE VS. BELGIUM !ACHTUNG: NUR REDA
Architekt des Erfolges: Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps.. © imago/Agencia EFE, Sebastiao Moreira, imago sportfotodienst

Auch nach der Pause begannen die "Roten Teufel" engagierter, schafften es gegen die französischen Defensiv-Experten Varane, Umtiti und N'Golo Kante allerdings nicht, gefährliche Tormöglichkeiten herauszuspielen. 

Es entwickelte sich ein umkämpftes, wenngleich äußerst faires Nationen-Derby, bei dem nur Nuancen den Ausschlag gaben, wie Belgiens Nationaltrainer Roberto Martinez zu Recht anmerkte. "Das Spiel war sehr eng", analysierte der Spanier: "Die Einstellung meiner Spieler war fantastisch. Einer muss gewinnen, einer verlieren. Aber meine Spieler haben Großes geleistet."

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