Prozess am Landgericht Hamburg

Ehemaliger KZ-Wachmann Bruno D.: "Ich möchte vergessen und nicht weiter aufarbeiten"

Fortsetzung Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
Fortsetzung Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
© dpa, Christian Charisius, chc sab

20. Mai 2020 - 19:05 Uhr

Der Alltag eines SS-Wachmanns im KZ

Bruno D. war Wachmann im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig. Wie sieht er selbst sein Leben und die Arbeit im KZ? Das war heute Gegendstand der Verhandlung im Landgericht Hamburg. Dem 93-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen vorgeworfen. Bruno D. äußerte sich und versuchte, seine Verantwortung kleinzureden.

Einblick in das Leben eines Ex-Aufsehers

"Ich möchte vergessen und nicht weiter aufarbeiten (...) um auch mal Ruhe zu haben, was der Krieg alles angerichtet hat", sagt der Angeklagte heute. Er spricht im Prozess über seine Kindheit und Jugend. In jungen Jahren habe er auf dem Hof seiner Eltern gearbeitet und dann eine Bäckerausbildung gemacht. Bruno D. zeichnet das Bild eines Einzelgängers, der von anderen oft geärgert wurde. "Ich war eher ruhig und naiv. (...) Ich hätte mich mehr durchsetzen müssen, aber da war ich dann... Ich bin allen aus dem Weg gegangen - nur der Arbeit nicht." Politik sei in seiner Familie nie ein Thema gewesen und habe ihn nicht interessiert. Selbst vom Kriegsbeginn habe er laut eigener Aussage nicht viel mitbekommen. Die Nebenklage bezweifelt das. Denn der Angeklagte habe in der Nähe von Danzig gelebt, das als Startpunkt des zweiten Weltkriegs gilt.

42 Nebenkläger sind im Prozess dabei

Der Gerichtssaal ist voll. Seit Beginn der Hauptverhandlung haben sich 42 Nebenkläger dem Prozess angeschlossen. Dabei handelt es sich um Überlebende des Konzentrationslagers Stutthof, aber auch Angehörige von Gefangenen, die dort ermordet wurden. Sie werden von 18 Rechtsanwälten vertreten. Im KZ Stutthof, dessen Nebenlagern und auf den sogenannten Todesmärschen kamen während der NS-Zeit 65.000 Menschen ums Leben. Auch während der Dienstzeit von Bruno D. wurden Menschen in den Baracken umgebracht.

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Der Prozess soll im Sommer ein Ende finden

In den kommenden Monaten werden weitere Gutachten und Aussagen einbezogen. Im Juli starten die Plädoyers. Der Prozess könnte somit bis Mitte Juli abgeschlossen sein. Der vorläufige Termin zur Urteilsverkündung ist der 14. Juli.

"Es liegt schon eine sehr lange umfangreiche Beweismittelaufnahme hinter uns. Sehr viel Raum eingenommen hat ein historisches Gutachten zum Aufbau, zum Funktionieren der KZs, insbesondere des KZs in Stutthof", so Gerichtssprecher Kai Wantzen.