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Er fährt auf, was Bayern hergibt

Kutschfahrt mit Kanzlerin: Söder macht Merkel-Besuch zum Spektakel

Bundeskanzlerin besucht Bayerisches Kabinett
Bundeskanzlerin besucht Bayerisches Kabinett
© dpa, Peter Kneffel, kne gfh

14. Juli 2020 - 15:10 Uhr

von Christoph Lang

Eine Kutschfahrt mit der Kanzlerin, beeindruckende Umfragewerte und auch das Wetter spielt mit: Auf Schloss Herrenchiemsee macht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Besuch Angela Merkels zum Spektakel – und erlebt einen Tag nach Wunsch.

Söder geht es um die Macht der Bilder

 Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Markus Söder und das Bayerische Kabinett auf Schloß Herrenchiemsee Bundeskanzlerin Angela Merkel und Markus Söder kommen mit der Kutsche vor Herrenchiemsee an, Herrenchiemsee Bayern Deutschland Schloß *** Federa
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Markus Söder und das Bayerische Kabinett auf Schloss Herrenchiemsee.
© imago images/Sammy Minkoff, Minkoff via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Über dem Chiemsee strahlte die Sonne, es sind neugierige Touristen zum Bootssteg gekommen, und protestierende Bauern. Gastgeber Markus Söder ist früh da und freut sich auf einen "großen Tag" mit der Kanzlerin, wie er sagt. Zum ersten Mal überhaupt besucht ein amtierender Bundeskanzler das bayerische Kabinett. Also wird aufgefahren, was Bayern nur hergibt: Mit dem Boot geht's hinüber nach Herrenchiemsee, beide tragen artig ihre Corona-Masken. Dann rollen Angela Merkel und Söder in einer Kutsche über die Insel, vorbei an sprudelnden Schlossfontänen.

Man hätte Merkels Besuch beim bayerischen Kabinett auch weniger aufwändig in München über die Bühne gehen lassen können, wo das Kabinett normalerweise tagt. Aber Söder geht es ja um mehr, um die Macht der Bilder. Jeder soll sehen, dass Merkel ihn hier besucht, solche Visiten macht sie nämlich nur selten. Das Insel-Spektakel wird insbesondere seinen Konkurrenten beim Kampf um die Unions-Kanzlerkandidatur schmerzen, den nordrheinwestfälischen Amtskollegen Armin Laschet. Den Kampf der Bilder hat der Bayer heute gewonnen.

Besuch der Kanzlerin "große Ehre und Freude"

Söder empfängt die Kanzlerin wie eine Königin und inszeniert sich so auch selbst: Als der derzeit diensthabende Kronprinz. So abwegig vielen Deutschen immer noch die Vorstellung erscheint, ein CSU-Mann könne der nächste Kanzlerkandidat der Union sein – die Zahlen der aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL sprechen klar für Söder: Mehr als jeder Zweite (52 Prozent kann sich Söder als Kanzler vorstellen. Nur 39 Prozent der Befragten würden eine Kanzlerschaft nicht begrüßen. Besonders hoch sind seine Sympathie-Werte im Osten mit 57 Prozent. Überdurchschnittlich häufig sehen die über 60jährigen sowie die Anhänger der beiden Unionsparteien seine Kanzlerkandidatur positiv.

Nach der zweistündigen Kabinettssitzung – es ging um Corona und um die deutsche EU-Ratspräsidentschaft quillt der Gastgeber geradezu über vor Genugtuung: Der Besuch der Kanzlerin sei eine "große Ehre und Freude", sagt er, die Diskussion sei "echt spannend" gewesen, man habe "ganz große Übereinstimmung". So auch bei der Corona-Bekämpfung: Das Konzept regionaler Ausreiseverbote, falls Corona dort außer Kontrolle geraten sollte, finden beide sinnvoll.

Söder als Kanzlerkandidat? Die heikle Frage wird umschifft

Will auch Merkel Söder mit ihrem Besuch zum Nachfolge-Kandidaten aufbauen? Bei der Pressekonferenz nach dem Treffen umschifft die Kanzlerin diese heikle Frage sorgfältig. Bayern habe einen guten Ministerpräsidenten, und der habe sie heute eingeladen, sagt sie, aber ihre Nachfolge werde sie in "keiner Weise kommentieren, mehr können Sie dazu von mir nicht hören.

Söder braucht das auch gar nicht – ihm reicht vollauf, dass sich die dem Prunk sonst eher abgeneigte Kanzlerin auf sein Schloss-Spektakel eingelassen hat. Am Bootssteg hält einer ein Schild hoch, auf dem "Markus Söder Kanzlerkandidat Ja" steht. Der Mann möchte gerne ein Autogramm auf sein Schild. Der alte Markus Söder hätte da wohl kaum nein gesagt. Der neue hält lieber Abstand und sagt hinterher "das gibt nur Ärger".

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