Risiken und Nebenwirkungen von Schulöffnungen

Kurz vor Ende der Sommerferien: Experten befürchten Schul-Chaos

News Themen der Woche KW19 News Bilder des Tages Wiesbaden, Gymnasium, 05.05.2020, Schulalltag in der Corona Zeit, zum U
News Themen der Woche KW19 News Bilder des Tages Wiesbaden, Gymnasium, 05.05.2020, Schulalltag in der Corona Zeit, zum U
© imago images/Jörg Halisch, Joerg Halisch via www.imago-images.de, www.imago-images.de

28. Juli 2020 - 16:06 Uhr

Wie die Schulen den Start planen

Am Montag ist es soweit – dann starten in Mecklenburg-Vorpommern wieder die Schulen. Doch kurz vor dem Ende der Sommerferien in einigen Bundesländern bleibt die Skepsis groß, ob es mit der geplanten Rückkehr in den Regelbetrieb überhaupt klappt. Denn: In vielen Schulen droht kurz vor dem Ende der Sommerferien ein Chaos, befürchten Experten. Ist das geplante Konzept überhaupt umsetzbar?

So läuft der Unterricht nach den Ferien

Der gemeinsame Rahmenplan steht: Die Kultusministerkonferenz hat sich Mitte Juli auf bundesweit einheitliche Hygieneregeln für die Schulen geeinigt. "Es ist unsere Aufgabe, das Recht auf Bildung mit den notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Verbreitung des Corona-Virus in Einklang zu bringen", erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig (SPD).

Der Hygienenplan für die Schulöffnungen:

  • Es werden die üblichen Vorschriften wie das Tragen von Schutzmasken und der Verzicht auf Körperkontakt empfohlen.
  • Zudem wird ein Mindestabstand von 1,50 Meter empfohlen. Beim Unterrichtsbetrieb im regulären Klassenverband könne aber auf den Mindestabstand zwischen Schülern und Lehrern verzichtet werden, heißt es in dem gemeinsamen Papier.
  • Menschen, die eine Corona-Infektion haben oder entsprechende Symptome aufweisen, ist das Betreten der Schulgebäude grundsätzlich untersagt. Verdachtsfälle müssen umgehend dem Gesundheitsamt gemeldet werden.
  • Darüber hinaus wird die Nutzung der Corona-Warn-App "allen am Schulleben Beteiligten empfohlen".
  • Die Befreiung chronisch kranker Schüler vom Unterricht soll im Einzelfall "kritisch geprüft" werden.

Die Regelungen wurden nach Angaben der Kultusminister bewusst allgemein gehalten. Auf Details habe man mit Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten verzichtet. Die Länder gehen somit teilweise einen eigenen Weg – es droht erneut ein "Flickenteppich". Was genau in welchem Bundesland gilt, haben wir hier zusammengestellt.

Lehrerverband hält Schulschließungen für möglich

Dieses Konzept hält der Deutsche Lehrerverband für nicht ausreichend. "Auf diese Szenarien, die eventuell beim Schulbeginn auf uns warten, sind weder die Schulen, noch die Politik, noch die Länder ausreichend vorbereitet", kritisierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv. Auch lokale Schulschließungen aufgrund einer "mächtigen zweiten Welle" hält Meidinger für möglich: "Wir werden viele Schulen haben, die aufgrund von Infektionsfällen vor Ort im Einzelfall wieder geschlossen werden müssen."

Auch der Bundeselternrat rechnet im nächsten Schuljahr wieder mit Schulschließungen. Es werde "keineswegs planmäßig" verlaufen, so der Verbandsvorsitzende  Stephan Wassmuth. Er fordert von den Ländern deshalb konkrete Pläne für ein "Szenario B" mit einer Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht.

RKI: Schülergruppen müssen voneinander getrennt werden

Im Homeoffice arbeiten und gleichzeitig die Kinder betreuen: Das hat viele Eltern während der Corona-Krise an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Auch deshalb hoffen viele Familien darauf, ihre Kinder wieder in die Schule schicken zu können. Das wäre auch im Sinne der Kinder, meint die Bundesärztekammer: Ohne ausreichend Unterricht über einen längeren Zeitraum drohten Kindern "enorme Folgeprobleme, etwa in Bezug auf die körperliche und psychische Entwicklung", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der dpa.

Ähnlich sieht das auch der Chef des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler. "Die Schulen werden geöffnet und müssen auch geöffnet werden", betonte er auf einer Pressekonferenz des RKI am Dienstag. "Wir erwarten bestimmte Hygienekonzepte, die im Kern zu Folgendem führen müssen: Es darf nicht dazu kommen, dass sich Schüler in den Pausen und bei den Wegen zu den Schulen zu sehr mischen. Es müssen Einheiten gebildet werden, die möglichst gemeinsam bleiben und sich nicht mit anderen Einheiten vermischen."

Von Tropfnasen bis zum Personalmangel: Diese Probleme sind noch nicht gelöst

Als Kernproblem gilt, im Herbst und Winter bei Kindern normale Erkältungen – wie zum Beispiel eine tropfende Nase - vom Corona-Virus zu unterscheiden. Außerdem stellen sich Lehrer, Politiker, Virologen und Mediziner weiterhin die Frage: Wird das Virus aus Familien in Schulen getragen oder umgekehrt? Sorgen bereiten Experten auch die Urlaubsrückkehrer, die nach einem Aufenthalt im Ausland ihr Kind wieder in die Schule schicken.

Ein weiterer Knackpunkt: Bildungsgewerkschaften schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Lehrer zur Risikogruppe gehören und für den Präsenzunterricht ausfallen könnten. In einzelnen Regionen, so wie zum Beispiel in Hamburg, können sich Lehrerinnen und Lehrer im neuen Schuljahr kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen – das gilt aber nicht bundesweit.

Viele Baustellen bleiben ungelöst

Als letztes Bundesland startet an diesem Donnerstag Baden-Württemberg in die Sommerferien. Das heißt: Ab jetzt sechs Wochen Zeit, um aus den Fehlern der anderen Bundesländer zu lernen.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.

Auch interessant