Kurz vor den Midterms: US-Medien und Facebook boykottieren Wahlkampf-Spot von Donald Trump

Anhänger von Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung.
Anhänger von Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung.
© REUTERS, CARLOS BARRIA, TB/

06. November 2018 - 9:02 Uhr

Werbespot über Migranten aus Mexiko

"Ich habe Polizisten umgebracht. Sie sind tot. Das bereue ich nicht. Ich werde ausbrechen und weitere Polizisten töten." Mit diesen Worten eines, wegen Mordes verurteilten, Mexikaners beginnt ein neuer Werbespot der Republikaner für Donald Trump. "Demokraten haben ihn hereingelassen", erscheint es dann in weißer Schrift auf dunklem Hintergrund. Schnitt. O-Ton verurteilter Täter: "Ich wünschte, ich hätte mehr Polizisten ermordet." Texttafel: "Demokraten haben ihn im Land behalten." Kurz darauf folgen Bilder von Flüchtlingen, die eine Grenze durchbrechen wollen.

Diesen Werbespot haben die großen US-Medien wie NBC und CNN jetzt boykottiert. Überraschend: Auch der Republikaner-nahe Sender Fox News will den Spot nicht mehr senden.

NBC zeigte den Spot während einer Football-Sendung

Die Begründung für den Boykott: Der kurze Werbefilm rücke Migranten ins schlechte Licht, hieß es in CNN-Berichten. Der TV-Sender selbst habe den Spot von Anfang an nicht gezeigt. NBC hatte ihn in einer Werbepause während einer Football-Sendung gezeigt, die laut CNN von 21 Millionen Zuschauern gesehen wird. "Wir bedauern die Entscheidung, den Spot überhaupt gezeigt zu haben", hieß es seitens NBC. Fox News begründete die Entscheidung. den Clip nicht mehr zu senden, bislang nicht. Das ist durchaus ungewöhnlich, gilt Fox News doch als politisch nah an Donald Trump.

Trump hatte den Werbespot vor einigen Tagen selbst getwittert. Auf Nachfrage habe der Präsident aber überhaupt nichts von solch einem Werbefilm gewusst. Das sagte er in die Kameras mehrerer US-Medien.

Die Medien seien auf der Seite der illegalen Einwanderer

Sein Wahlkampf-Manager Brad Parscale findet da deutlichere Worte: Auf Twitter schrieb er: "Also, NBC News, CNN und Facebook sind auf der Seite der 'Illegalen' in diesem Land." Die "Fake-News"-Medien versuchten, zu kontrollieren, was ihre Zuschauer sehen und denken, schrieb er weiter. Facebook hatte sich der Entscheidung, den Spot nicht zu zeigen, angeschlossen.

Das Timing, wann der Werbespot ausgestrahlt werden sollte, ist jedenfalls kein Zufall. In den USA finden in dieser Woche die Midterms statt. Für Donald Trump steht da die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses - Repräsentantenhaus und Senat - auf dem Spiel. Im Video erklären wir Ihnen, warum die Midterms so wichtig sind.

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Tausende Migranten aus Zentralamerika unterwegs

Zu diesem Zeitpunkt gegen illegale Einwanderung zu werben, ist also vor allem Mittel zum Zweck. Ähnlich wie Trumps Anordnung, an der mexikanischen Grenze Soldaten zu postieren, weil Tausende Menschen aus Zentralamerika auf dem Weg sind zu dem Land, das für den "amerikanischen Traum" steht. Laut NBC-Bericht kämen diese aber frühestens in zehn Tagen an der Grenze zu den USA an.

Der US-Präsident fährt seit jeher einen harten Kurs gegen illegale Einwanderung. Derzeit wollen Tausende Migranten aus Zentralamerika zu Fuß die US-Grenze erreichen. Viele sind mittlerweile in Mexikos Hauptstadt Mexiko-Stadt angekommen.