Berliner Hostel soll bunte Fassade übermalen

Kurioses Urteil: Ist das Kunst? Nein, das muss weg!

26. Juni 2020 - 16:34 Uhr

Novum für das Gericht

"Beseitigungsanordnung", ein schönes deutsches Bürokraten-Wort. Und das Ergebnis eines Rechtsstreits, über den der Sprecher des Berliner Verwaltungsgericht sagt: "Einen solchen Fall hatten wir noch nicht in Berlin" Es geht um die Frage: Darf ein Hostel eine bunt bemalte Fassade haben? Nein, sagt das Verwaltungsgericht. Die zweifelhafte Begründung und wie das Urteil ankommt, zeigen wir im Video.

Hostels sind Touri-Magneten

Berlin ist Tourismus-Hotspot. Klar, es gibt die Mauer, den Reichstag, die Denkmäler: Aber wer schon mal mit dem Rucksack rund um Welt unterwegs war, hört immer wieder: "Berlin, da war ich auch schon, dort gibt es die besten Parties." Nicht umsonst hat Berlin auch den Ruf der "Partyhauptstadt Europas".

Deshalb strömen Millionen junge Menschen in die Stadt, die sich keine teuren Hotel-Zimmer leisten können, sondern günstig in Hostels absteigen. Sie sind Orte der Begegnung, der Entdeckung, des kulturellen Austauschs und vor allem der guten Laune.

Erstes Urteil: Illegale Werbung

HappyGoLucky-Hotel
So sah das Hostel vor 7 Jahren aus
© HappyGoLuckyHotel

"Happy Go Lucky" ist da kein innovativer Name für ein Hostel. Aber ein passender. Und diesen Frohsinn sollte die Fassade ausdrücken, als sie vor 7 Jahren orange gestrichen wurde, mit Schriftzug der Website. Aber wer auffällt, wird auch unter die Lupe genommen – auch von Behörden. Und so beschloss das Bezirksamt: Unzulässige Werbung, der Schriftzug muss übermalt werden. "Beseitigungsanordnung" – Teil 1, sozusagen.

Der Eigentümer entschied sich beim Bemalen aber für eine kreative Lösung, beauftragte den Street Artist Dom Browne und verwandelte die Fassade in eine Art klischeehaftes Teenie-Zimmer der 90er Jahre. Bunt, schrill und verziert mit Bildern von Kurt Cobain und co. Statt der Website stehen oben links nur noch die Worte "HappyGoLuckyHearts".

Eigentümer: "Wie in totalitären Staaten"

Happy waren die Behörden damit aber nicht, der Rechtsstreit ging in die nächste Runde. Vom Verwaltungsgericht heißt es: "Grundsätzlich gilt, dass von Gebäuden keine verunstaltende Wirkung, so heißt es im Baurecht, ausgehen soll", sagt Sprecher Stephan Groscurth.

Dabei wird die Fassade gar nicht komplett abgelehnt. Sie könnte als Kunstwerk ins Grundbuch eingetragen werden. Dann dürfte das Bezirksamt aber jederzeit auf Kosten des Eigentümers einen Gutachter schicken. "Und wenn dann die Farben irgendwo verblichen sind, dann darf uns aufgegeben werden, welche Farben innerhalb welcher Zeit wieder aufgefrischt werden müssen", sagt Eigentümer Alexander Skora. Ein Mitspracherecht, dass er nicht akzeptieren will. 

Stattdessen die "Beseitigungsanordnung Teil 2" durch das Verwaltungsgericht: Die Fassade muss komplett übermalt werden und soll sich den trist gestalteten Nachbarn anpassen. Es ist eine Niederlage für die Eigentümer, die ihm vorkommt "wie in totalitären Staaten, da werden solche Sachen so erledigt", sagt Skora. Aber aufgeben will er nicht. Noch immer strahlt die Fassade bunt, denn Skora will in Berufung gehen.