Kurden wollen "Krieg auf Europas Straßen tragen" – Polizei rechnet mit Demos in ganz Deutschland

12. März 2018 - 13:31 Uhr

Sicherheitskräfte bereiten sich auf unruhigen Tag vor

Die türkische Armee rückt immer weiter auf die nordsyrische Stadt Afrin vor, um dort die Kurdenmiliz YPG zu bekämpfen. In ganz Europa gingen Kurden auf die Straße, um gegen die Militäroffensive zu protestieren – auch in Deutschland. Die teils gewaltsamen Proteste sind noch nicht vorüber, im Internet riefen Kurdenverbände dazu auf, den "Krieg auf die Straße zu tragen". Deutsche Sicherheitskräfte haben sich auf einen unruhigen Tag vorbereitet.

Kurdendemos blockieren Düsseldorfer Flughafen und Hauptbahnhof

Bereits am Wochenende kam es in mehreren deutschen Städten zu Protesten. Am Flughafen Düsseldorf demonstrierten rund 400 Kurden, bis die Polizei sie aus dem Gebäude drängte. Weil die Polizei Pfefferspray einsetzen musste, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen, gab es mehrere Verletzte. Der Flugverkehr wurde nicht beeinträchtigt, allerdings gab es Behinderungen bei der An- und Abfahrt vom Terminal, erklärte ein Flughafensprecher. Später blockierten einige Demonstranten noch den Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Auch in Hamburg kam es bei Kurden-Demos zu Zwischenfällen. Laut Polizei zogen dort rund 400 Menschen durch die Stadt bis zum türkischen Generalkonsulat. Dort warfen einige Teilnehmer Steine gegen die Fassade, sodass das Gebäude leicht beschädigt wurde. Bei einer Kundgebung in Berlin wurden zehn Demonstranten vorläufig festgenommen. Gegen die vier Frauen und sechs Männer wird unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. 14 Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt. Auch in Frankfurt, Kiel, Kaiserslautern und Saarbrücken gingen Kurden auf die Straße, dort blieb es aber friedlich.

Mehrere Brandanschläge auf türkische Gebäude

Kurden demonstrieren in Berlin
Auch in Berlin gab es Demonstrationen gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien.
© imago/IPON, Stefan Boness/Ipon, imago stock&people

Außerdem gab es mehrere Anschläge auf türkische Vereine und Geschäfte. Unbekannte warfen Brandsätze in eine Berliner Ditib-Moschee und in das Gebäude eines deutsch-türkischen Freundschaftsvereins in Meschede (Nordrhein-Westfalen). In Itzehoe (Schleswig-Holstein) zerschlugen die Täter die Fenster einer Moschee und legten Feuer in einem türkischen Gemüseladen. Ob die mit den aktuellen Demonstrationen in Verbindung stehen, muss die Polizei noch klären – die Ermittler schließen jedoch nicht aus, dass radikale Kurden dahinter stecken könnten.

Zeitgleich zu den Demonstrationen in Deutschland stürmten im englischen Manchester Demonstranten in Manchester (England) im Piccadilly-Bahnhof auf die Zuggleise und sorgten dafür, dass der Bahnverkehr stundenlang unterbrochen werden musste. Auch in London kam der Zugverkehr im Bahnhof King's Cross zeitweise zum Erliegen.