Kuranyi, Schürrle, Pizarro - große Namen, nichts dahinter

Kevin Kuranyi wirkt im Spiel der TSG Hoffenheim noch wie ein Fremdkörper.
Kevin Kuranyi wirkt im Spiel der TSG Hoffenheim noch wie ein Fremdkörper.
© imago/Pressefoto Baumann, imago sportfotodienst

22. November 2015 - 23:00 Uhr

Von Daniel Grochow

Die TSG Hoffenheim, der VfL Wolfsburg und auch Werder Bremen, sie alle haben große Hoffnungen in große Namen gesetzt: Kevin Kuranyi, Andre Schürrle und Claudio Pizarro sollten die Vereine jeweils nach oben führen - ein Wunschdenken, das sich nicht erfüllt hat, und sich zumindest in zwei Fällen wohl auch nicht mehr erfüllen wird.

Was hatten sich die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim in der Sommerpause auf die Schultern geklopft. Nach zähen Verhandlungen verkündete der Verein aus dem Kraichgau nicht ohne gewissen Stolz die Verpflichtung von Kevin Kuranyi, 52-maliger Nationalspieler, der mit dem VfB Stuttgart und dem FC Schalke 04 Vizemeister wurde und lange als einer der treffsichersten Angreifer der Bundesliga galt. Ganz klar: Mit Kuranyi heuerte endlich wieder ein großer Name im ach so bescheidenen Hoffenheim an.

Wenige Wochen später ist dieser große Name geblieben, von großen Leistungen ist aber noch nichts zu sehen. Zugegeben, Kuranyi ist momentan nur Teilzeitarbeiter, steht er aber auf dem Platz, wirkt der Routinier wie ein Fremdkörper. Es laufe nicht so, "wie ich mir das gewünscht habe", sagte der 33 Jahre alte Stürmer, für den das Tempo in der Bundesliga mittlerweile schlichtweg zu hoch ist. In Russland, wo Kuranyi in den vergangenen fünf Jahren sein Geld verdient hat, mögen großgewachsene, klassische Mittelstürmer noch gefragt sein, für die deutsche Beletage reichen Grundtugenden wie Kampf und Leidenschaft schon längst nicht mehr aus.

Zu dieser Erkenntnis dürfte auch Andre Schürrle gereift sein, der offengesagt fußballerisch mit weitaus mehr Talent gesegnet ist als Kuranyi. Der Offensiv-Allrounder, den sich der VfL Wolfsburg schlappe 32 Millionen Euro kosten ließ, ist pfeilschnell, taktisch variabel, hat einen sehr guten Abschluss, aber auch stets das Auge für den Nebenmann. "Er ist ein Spieler, der mit seiner Dynamik und Torgefahr gut zu uns passt", hatte VfL-Coach Dieter Hecking nach der Vertragsunterschrift des Nationalspielers gesagt. Das Problem: All die Loblieder, die auf Schürrle angestimmt wurden, sind schon wieder verklungen.

Zweifel an der Bundesliga-Tauglichkeit

Andre Schürrle, VfL Wolfsburg
Andre Schürrle spielt momentan so schlecht, dass er von Trainer Dieter Hecking öffentlich angezählt wird.
© imago/Christian Schroedter, imago sportfotodienst

Weil der Weltmeister dieser Bezeichnung alles andere als würdig ist, sah sich Hecking am Wochenende sogar gezwungen, den so hoch gelobten Rechtsfuß öffentlich zu kritisieren. "Wir haben eine Erwartungshaltung an ihn, die besser sein muss, als das, was er bisher gezeigt hat", waren die Worte von Trainer Hecking, der Schürrle regelmäßig das Vertrauen schenkt - und es nicht zurückgezahlt bekommt.

Die ernüchternde Bilanz aus fünf Liga-Spielen: null Tore, null Vorlagen. In der Partie gegen Hannover 96 schoss Schürrle gar nicht auf das Tor, zwei seiner Flanken missrieten völlig, die Fans murren mittlerweile regelmäßig, wenn sich der Dribbel-Künstler in Eins-gegen-eins-Situationen festrennt. Dass Schürrle an guten Tagen eine Waffe ist - das lässt sich bei den jüngsten behäbigen Auftritten nur schwerlich erahnen. Der 24-Jährige wirkt mehr und mehr frustriert, das Selbstbewusstsein, das er sich von der WM aus Brasilien aufgebaut hatte, ist wie weggeblasen.

Genauso verhält es sich auch mit der Euphorie, die vor gar nicht allzu langer Zeit mit dem Namen Claudio Pizarro in Bremen verbunden war. Als der Peruaner nach seiner Rückkehr an die Weser gleich in seinem ersten Spiel den Siegtreffer zum 2:1 in Hoffenheim aufgelegt hatte, rief der Angreifer noch das internationale Geschäft als Saisonziel aus, zwei Wochen und drei Pleiten später steht er in der Kritik. "Pizarro: Mehr Stimmungsmacher als Heilsbringer", meint etwa das Fachblatt 'kicker' und wirft die Frage auf, ob die besten Tage des Stürmers vielleicht nicht doch so langsam gezählt sind.

Nimmt man das 0:3 gegen Bayer Leverkusen zum Maßstab, gibt es keine zwei Meinungen. Pizarro spielte erstmals über 90 Minuten, dabei setzte er keinerlei Akzente, in der 2. Hälfte wurde zudem offensichtlich, dass der Altstar körperliche Defizite hat. Dauerhaft oder nur die Folge von Trainingsrückstand, das bleibt abzuwarten. Diejenigen Werder-Fans, die noch immer davon träumen, dass ihr Liebling wie zu goldenen Zeiten im jedem zweiten Spiel das Tor trifft, sollten aber besser schon jetzt aufwachen. Pizarro gewann einst die Champions League, holte je sechsmal die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal - diese großen Verdienste garantieren aber noch lange keinen dauerhaften Erfolg.

Kuranyi, Schürrle, Pizarro - alle drei wurden bei ihrer Vorstellung wie der Messias gefeiert, sind bisher aber alles schuldig geblieben. Während dem Wolfsburg-Profi zweifelsfrei noch viele Jahre im Profi-Fußball bleiben, liegt mit Blick auf die beiden Routiniers eine Frage auf der Hand: Haben Kuranyi und Pizarro überhaupt noch die Qualität, um ihre Mannschaften in der Bundesliga nach vorne zu bringen? Zweifel sind angebracht.