Unglückliche Wortwahl in Sachsen

Kind weg bei fehlender Unterschrift? Elternbrief des Kultusministeriums sorgt für Aufregung

Eltern in Sachsen müssen täglich eine Gesundheitsbestätigung ausfüllen, wenn ihr Kind eine Grundschule oder Förderschule besucht.
© dpa, Robert Michael, ert bsc

23. Mai 2020 - 11:08 Uhr

Ungeschickt ausgedrückt

Im Netz verbreitet sich derzeit ein Elternbrief des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus. Darin droht die Behörde angeblich damit, Eltern die Kinder wegzunehmen, wenn sie sich nicht an Corona-Schulregeln halten. Kann das wirklich sein? Was ist da los? Wir haben nachgehakt.

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Die Sache mit der Gesundheitsbestätigung

In der morgendlichen Hektik vergessen, dem Kind alles in den Ranzen zu packen? Sowas sollte den Eltern im Freistaat Sachsen im Moment besser nicht passieren. Im Zuge der Anti-Corona-Maßnahmen sind dort nämlich die Eltern angehalten, ihrem Nachwuchs morgens in die Grundschule oder Kita, eine so genannten Gesundheitsbestätigung mitzugeben. In dem tagesaktuell unterschriebenen Formular, das die Eltern von den Schulen bekommen haben, muss angegeben werden, ob das eigene Kind und die im Haushalt lebenden Personen Symptom frei sind. Und wer das nicht mithat, dem drohen ab dem 25. Mai nämlich Konsequenzen, wie in einem Elternbrief des sächsischen Kultusministeriums zu lesen war: "Sie als Eltern sind verpflichtet, Ihr Kind umgehend von der Schule abzuholen, wenn Ihre Unterschrift für den konkreten Tag fehlt. Sofern Sie dem nicht nachkommen, ist die Schule in letzter Konsequenz verpflichtet, das Ordnungsamt einzuschalten – bis hin zu einer Inobhutnahme Ihres Kindes."

Inobhutnahme des Kindes?

Wie bitte? Inobhutnahme des Kindes wegen einer vergessenen Unterschrift? Auf Nachfrage von RTL bestätigt das Kultusministerium, dass die Formulierung in "Inobhutnahme" unglücklich gewählt gewesen und zu Irritation geführt habe. Gemeint sei damit zeitweises Separieren in etwa anderen Kita-Räumlichkeiten gemeint. Inzwischen habe man das Ganze klarer formuliert. 
Die Bestätigung habe lediglich zwei Funktionen. Zum einen diene sie der Information der Einrichtung, dass das Kind gesund ist und aufgenommen werden kann. "Zum anderen hat die Bestätigung auch eine Erinnerungsfunktion für die Eltern, denn so beobachten sie ihr Kind genauer. Zeigt es Krankheitssymptome (erhöhte Temperatur, Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen) sollte der Kinderarzt aufgesucht werden", erläutert Referentin Dr. Susann Meerheim gegenüber RTL.

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