Künstliche Befruchtung mit Sperma eines Toten? Das geht zu weit!

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23. Februar 2017 - 17:40 Uhr

Ein Kommentar von Anna Kriller

Künstliche Befruchtung mit dem Sperma eines Toten – eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte. Das sieht eine 35-jährige Witwe aus Bayern anders. Sie klagte gegen eine Klinik aus dem Raum Traunstein, die sich weigert, die eingefrorene Spermaprobe ihres verstorbenen Mannes (38) herauszugeben - und hat nun den Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht München verloren. Ein heikler Fall, der im Grunde aber kein rechtlicher ist, sondern vielmehr ein ethischer.

Wo sind die Grenzen beim Kinderwunsch?

Die Frau hatte bereits seit 2014 vergeblich versucht, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Im April 2015 wurden die Spermien ihres Mannes eingefroren, drei Monate später verstarb er nach einer Herztransplantation. Nun ist die 35-Jährige der Meinung, dass ihr die Spermaprobe ihres Ehemannes zustände. Begründung: Ihr Recht auf Fortpflanzung.

Doch was ist überhaupt das 'Recht auf Fortpflanzung'? Die Bezeichnung stammt aus dem 'Augsburg-Münchner-Entwurf für ein Fortpflanzungsmedizingesetz', das das 1991 verabschiedete Embryoschutzgesetz revolutionieren will. Soweit, so gut. Aus dem Recht auf Selbstbestimmung über die eigene Fortpflanzung machten die Autoren des Entwurfs jedoch kurzerhand ein Grundrecht auf Fortpflanzung. Das Recht auf die freie Entscheidung darüber, ob man sich fortpflanzen möchte, wird zum Recht darüber, wie man Nachwuchs möchte.

Klingt erstmal nicht weiter wild. Doch bezogen auf künstliche Befruchtung ähnelt diese Auslegung der selbstbestimmten Fortpflanzung einem Freifahrtschein für willkürliche Eizellenspende, Embryonentransfer, Leihmutterschaft und die Verwendung von überzähligen Embryonen zu Forschungszwecken. Aus dem ursprünglichen Schutz des Individuums vor staatlich, politisch oder medizinisch motivierten Zwangsmaßnahmen wie beispielsweise einer Zwangssterilisation wird dadurch ein Türöffner für jegliche Methode der künstlichen Fortpflanzung bis hin zum Klon.

Bisher schützte das Embryoschutzgesetz vor einem solchen Missbrauch. Wird eine Eizelle künstlich mit dem Samen eines verstorbenen Mannes befruchtet, drohen dem behandelnden Arzt und der Klinik Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren. Und das ist auch sinnvoll. Denn wenn wir anfangen, ethische Grenzen aufzulösen, gibt es früher oder später kein Halten mehr.

Ein Kinderwunsch sollte Erfüllung finden. Aber nicht um jeden Preis. Ein Kind ohne dazugehörigen Vater großzuziehen ist selbstverständlich keine Seltenheit und heutzutage gang und gäbe. Doch darum geht es hier nicht. Es geht um Grenzen. Grenzen, die zugunsten des Kindeswohls nicht überschritten werden sollten. Die Zeugung eines Babys mit dem Sperma eines bereits seit zwei Jahren toten Mannes gehört definitiv dazu.