Künstler gegen Trump: "Wir sind der neue Amerikanische Widerstand"

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7. Februar 2017 - 13:20 Uhr

"Wir stehen an eurer Seite"

Perth, Australien, 22. Januar 2017. Zwei Tage nach der Amtseinführung von Donald Trump und der Tag nach dem 'Women's March' gegen Trump. Bruce Springsteen eröffnet seine Australien-Tour und bezieht auf der Bühne eindeutig Position gegen den 45. Präsidenten der USA: "Wir sind weit weg von zu Hause, aber unsere Herzen sind bei den Frauen und Männern (…), die gegen Hass und Spaltung, für Toleranz, Inklusion, Selbstbestimmung, Bürgerrechte, Rassengleichheit, LGBTQ-Rechte, Umwelt, Lohngerechtigkeit, Geschlechtergleichheit, Gesundheitsversorgung und Rechte von Einwanderern. Wir stehen an eurer Seite. Wir sind der neue amerikanische Widerstand."

In einer Reihe mit Meryl Streep, Robert de Niro, Ashton Kutcher und anderen

Nicht immer hat Springsteen so deutlich und explizit Stellung genommen, doch steht er in einer Reihe mit Meryl Streep, Robert de Niro, Ashton Kutcher und vielen anderen kulturellen Größen. Wer Springsteens Texte kennt, dem war schon immer bewusst, dass der Mann ein politisches Bewusstsein hat. Und zunächst die Kandidatur, und dann die Wahl Trumps, haben bei vielen wohl das Gefühl ausgelöst, sich eindeutig positionieren zu müssen. Ganz sicher auch in dem Wissen, dass sie enormes Gehör finden.

Reagan als Präsident? "Ich finde es ziemlich beängstigend"

Statements der deutlichen Art hielten sich in den ersten 30 Jahren von Springsteens Karriere in Grenzen. Bei den No-Nukes-Konzerten gegen Atomkraft nach dem Unfall im AKW Three Mile Island Harrisburg am 28. März 1978 war der 'Boss' der einzige, der auf der Bühne kein Statement gegen Atomkraft abgab. Das einzige Statement, das er zur ersten Wahl Reagans am Tag nach der Abstimmung auf der Bühne abgab, nannte den Präsidenten nicht einmal beim Namen. Er sagte lediglich: "Ich weiß nicht, was ihr über letzte Nacht denkt, aber ich finde es ziemlich beängstigend".

Reagan hat da etwas missverstanden

Vier Jahre später instrumentalisierte Reagan während der Kampagne zu seiner Wiederwahl Springsteen und sein gerade erschienenes Album 'Born in the U.S.A.' für seine Zwecke.  Bruce schwieg zunächst dazu, ehe er das Missverständnis klar stellte. Denn der Song ist – im Gegensatz zum Glauben vieler – eine Anklage und ein Abgesang auf den 'American Dream'. "Born down in a dead man's town, the first kick I took was when I hit the ground" lauten die ersten Zeilen des Textes, der davon handelt, wie 'Uncle Sam' seine Veteranen im Stich lässt.

Gegen Bush, für Obama

Trotz vieler kleiner Symbole (1988 zum Beispiel spielte er die "Amnesty International Human Rights Now Tour anlässlich des 40. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte), brachte erst George W. Bush Springsteen dazu, seine Stimme GEGEN etwas zu erheben. So spielte er für John Kerry und gegen Bush die 'Vote For Change' Tour, unter anderen mit R.E.M. und Pearl Jam, Künstler, die ihre Meinung durchaus schon länger laut und deutlich sagten. Das wiederum führte dazu, dass er 2008 für Barack Obama spielte, und ebenso 2012. Konsequenterweise spielte er 2016 für Hillary Clinton, doch im Grunde war klar, dass es eher gegen Trump ging als für Hillary.

How can I keep from singing?

Jetzt ließ er sich nicht nehmen, zum 'Women's March' und kurz darauf auch zu Trumps 'Muslim Ban', ein Statement abzugeben. Er unterstützte die Proteste und nannte Trumps Dekrete zutiefst antidemokratisch und unamerikanisch.

Und er machte klar, dass er weiter seine Stimme erheben will, ganz nach dem Motto: "Above the tumult and the strife, I hear the music ringing. It sounds an echo in my soul – how can I keep from singing?"

Sing weiter, Bruce!