Parteitag der Republikaner

Kühl und unnahbar: Melania Trump bleibt bei ihrer Rede sehr distanziert

26. August 2020 - 8:34 Uhr

„Mein Ehemann, unsere Familie und die Menschen in dieser Regierung kämpfen für Sie“

Zweieinhalb Monate vor der Wahl in den USA haben die Republikaner Präsident Donald Trump bei ihrem Parteitag als Kämpfer für alle Amerikaner und als selbstlosen Staatsmann präsentiert. "Mein Ehemann, unsere Familie und die Menschen in dieser Regierung kämpfen für Sie", sagte First Lady Melania Trump in ihrer Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses. Melanias Auftritt können Sie sich im Video ansehen.

Auch Präsidentensohn Eric Trump sagte: "Mein Vater wird für euch kämpfen." Sein Vater sei nicht angetreten, weil er den Job gebraucht hätte, "sondern weil er wusste, dass hart arbeitende Menschen in diesem großartigen Land zurückgelassen wurden".

"Er ist kein traditioneller Politiker, der nur redet."

Die Republikaner bemühten sich sichtlich darum, der Kritik entgegenzuwirken, dass Trump (74) das Land spalte. Die First Lady sagte: "Was wir als Bürger von unserem Präsidenten verdienen, ist totale Ehrlichkeit. Ob einem das gefällt oder nicht, man weiß immer, was er denkt, weil er eine authentische Person ist, die dieses Land und dessen Volk liebt." Sie fügte hinzu: "Er ist kein traditioneller Politiker, der nur redet. Er verlangt Taten und bekommt Resultate."

Trumps unkonventionelle Art prägte auch den Parteitag am Dienstag. Unmittelbar vor dem Auftritt eines ehemaligen Häftlings beim Parteitag begnadigte Trump den Mann - und stellte Amerika damit als Land der unverhofften Möglichkeiten dar. Dominiert wurde der Dienstag von der Trump-Familie: Vor Melania Trump - die nach ihrer Rede von Donald Trump auf die Wange geküsst wurde - und Eric Trump hatte bereits Präsidententochter Tiffany Trump das Wort ergriffen.

Die Republikaner bemühten sich darum, Trump als entschiedenen Krisenmanager in der Corona-Pandemie zu präsentieren. Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow pries die Führung des Präsidenten bei den Bemühungen, "das Covid-Virus erfolgreich zu bekämpfen". Von einem erfolgreichen Kampf sind die USA allerdings noch weit entfernt. Die Pandemie dauert an. Bislang hat sie in den USA mehr als 178.000 Menschen das Leben gekostet. Millionen Amerikaner verloren ihre Arbeit. Die Wirtschaft wurde in eine schwere Krise gestürzt, die noch nicht beendet ist.

Schrille Rede der Freundin von Trump jr.

Am Tag zuvor hatte die Freundin von Trumps Sohn eine Rede gehalten – und dafür viel Spott geerntet. Die Rede im Video.

Melania sprach Corona-Opfern ihr Mitgefühl aus

Melania Trump hob sich von anderen Rednern ab, indem sie gleich zu Beginn ihrer Ansprache den Opfern der Corona-Pandemie ihr Mitgefühl aussprach. Donald Trump wird regelmäßig vorgeworfen, in dieser Hinsicht zu wenig Empathie zu zeigen. Und während Eric Trump und andere Republikaner Biden beim Parteitag scharf und mit oftmals unbelegten Vorwürfen angingen, verzichtete die First Lady bewusst auf solche Attacken. "Ich will diese wertvolle Zeit nicht dazu gebrauchen, um die andere Seite anzugreifen", sagte sie.

Deutlich sichtbar wurde bei Melania Trumps Ansprache der Kontrast zu Jill Biden, der Ehefrau des demokratischen Herausforderers. Das aus Slowenien stammende Ex-Modell Melania Trump (50) trat im gerade erst von ihr neu gestalteten Rosengarten des Weißen Hauses vor das Publikum. Jill Biden (69) hatte sich beim Parteitag der Demokraten in der vergangenen Woche aus einem Klassenraum einer High School in Wilmington (Delaware) zuschalten lassen, in der sie früher selber Englisch unterrichtet hatte. Jill Biden zeichnete dabei ein sehr persönliches Bild eines fürsorglichen Ehemannes und Vaters mit einem festen Wertekompass, der sich für andere Menschen einsetzt.

Keine feurige Rede, sondern bedachte Ansprache

USA, Parteitag der Republikaner U.S. First Lady Melania Trump delivers her speech during the second night of the Republican National Convention, in the Rose Garden at the White House in Washington, DC, on Tuesday, August 2020. Due to the coronavirus
Melania wirkt bei ihren Auftritten eher kühl, unnahbar und verschlossen - auch im Umgang mit Donald Trump.
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Melania wirkt bei ihren Auftritten eher kühl, unnahbar und verschlossen - auch im Umgang mit Donald Trump. "Donald ist ein Ehemann, der mich bei allem, was ich tue, unterstützt", war das Persönlichste in ihrer Rede. Um die Ehe ranken sich viele Gerüchte. Um die Welt gingen Aufnahmen, bei denen Donald Trump versuchte, Melanias Hand zu nehmen, und sie ihm das Händchenhalten zu verweigern schien - etwa beim Staatsbesuch in Israel 2017, als sie seine ausgestreckte Hand vor laufenden Kameras mit einem Klaps zurückzuweisen scheint. Jill Biden präsentiert sich als zugänglich und volksnah. Bei öffentlichen Auftritten wirkt der Umgang der Bidens miteinander ausgesprochen liebevoll.

Die First Lady hielt keine feurige Rede, um für die Wiederwahl Trumps zu werben. Es war eine bedachte Ansprache, in der sie auch auf das Rassismus-Problem einging, das mit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai mit Wucht wieder auf die Tagesordnung kam.

"Wir müssen uns daran erinnern, dass wir alle eine Gemeinschaft sind, die aus vielen Rassen, Religionen und Ethnien besteht", sagte Melania Trump. In der Liste von Donalds Trumps Prioritäten für eine zweite Amtszeit findet sich der Kampf gegen Rassismus allerdings nicht - stattdessen will der "Präsident für Recht und Ordnung", wie er sich selber einst bezeichnet hat, die Polizei stärken.

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