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Kuba hat einen neuen Präsidenten: Miguel Díaz-Canel beerbt Raúl Castro

Kuba hat einen neuen Präsidenten: Miguel Díaz-Canel beerbt Raúl Castro

Neuer kubanischer Präsident Miguel Díaz-Canel
Miguel Díaz-Canel ist zum neuen Präsidenten von Kuba gewählt worden.
ob at aa cs jai, dpa, Orlando Barría

Díaz-Canel war schon lange die rechte Hand von Raúl Castro

Auf Kuba geht eine Ära zu Ende: Erstmals seit fast 60 Jahren heißt der Mann an der Staatsspitze nicht mehr Castro. Das Parlament in Havanna hat Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten gewählt. Der 57-Jährige galt schon länger als rechte Hand seines Amtsvorgängers Raúl Castro, jetzt hat er die Regierungsgeschäfte übernommen.

Díaz-Canel steht nicht für große Reformen

Radikale Veränderungen sind trotz des Machtwechsels nicht zu erwarten. "Die kubanischen Präsidenten werden stets die Revolution verteidigen. Vor allem brauchen wir Kontinuität", sagte der parteitreue Díaz-Canel. Auch für den 86-jährigen Castro, der ab jetzt nur noch im Hintergrund die Strippen ziehen wird, war der Neue der Wunschkandidat. "Der Genosse Díaz-Canel ist kein Emporkömmling und keine Notlösung", erklärte er. "Er hat seine ideologische Standfestigkeit unter Beweis gestellt."

Jetzt muss er auch unter Beweis stellen, dass der die Probleme auf Kuba in den Griff bekommt. Wirtschaftlich sieht es auf der sozialistischen Karibikinsel nicht besonders gut aus. Díaz-Canel steht vor dem Dilemma, dass er um die Lage zu verbessern, das Land für ausländische Investoren attraktiv machen muss. Gleichzeitig ist er aber auch gezwungen, den Sozialismus zu verteidigen, damit es keine sozialen Spannungen wegen der wachsenden Einkommensunterschiede gibt.

Der neue kubanische Präsident muss sich erst noch beweisen

Miguel Díaz-Canel und Raúl Castro
Raúl Castro gibt die Amtsgeschäfte an Miguel Díaz-Canel ab.
flm, dpa, Irene Perez

Auch außenpolitisch wird es schwierig. Das Verhältnis zu den USA hat sich massiv verschlechtert, seit Donald Trump Präsident ist. In einem Video wetterte Díaz-Canel gegen die Botschaften der USA, Großbritanniens, Deutschlands, Spaniens und Norwegens und warf ihnen Unterstützung "subversiver Aktivitäten" vor.

Díaz-Canel wird als neuer Präsident liefern müssen, denn er muss sich nicht nur innerhalb der Partei- und Staatsführung als neue Nummer Eins etablieren. Auch dem kubanischen Volk muss er beweisen, dass er das Zeug zum Präsidenten hat. Denn anders als Fidel und Raúl Castro gehört er nicht zur Generation der Revolutionäre, die die Rebellen in Kuba zum Sieg führten.

Der 57-Jährige machte nach seinem Militärdienst als Elektroingenieur Karriere beim kommunistischen Jugendverband. Als Parteisekretär in der Region Villa Clara hielt Díaz-Canel seine schützende Hand über die berühmte Schwulenbar 'El Mejunje', trug langes Haar und fuhr mit dem Fahrrad zu den Sitzungen. Ein Liberaler ist er trotzdem nicht. Mit 43 Jahren wurde er Parteivorsitzender in der Provinz Holguín. Später übernahm er dann das Amt des Ministers für Hochschulbildung und dann das des Vizepräsidenten.