Urlauber verlassen Kroatien fluchtartig

Dreifach-Mama stand mit Kindern zehn Stunden im Stau

26. August 2020 - 8:15 Uhr

Kroatien-Urlauber blieben an Grenze zu Österreich hängen

Nach Reisewarnungen mehrerer Länder für Kroatien verlassen viele Touristen das Urlaubsland fluchtartig. Für viele, die mit dem Auto unterwegs waren, hieß es in der Nacht zum Sonntag: Nichts geht mehr. Denn Österreich hat seine Corona-Auflagen kurzfristig verschärft – die Folge war ein Mega-Stau an der slowenisch-österreichischen Grenze. Mittendrin: Dreifach-Mama Irina Jegel (47), die mit ihren Kindern satte zehn Stunden im Stau stand. Im Video erzählt sie von diesem "Horror-Erlebnis", wie sie die strapaziöse Rückreise nennt.

​+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Keine Infos für die Staugeplagten

"Zehn Kilometer vor der Grenze sind wir einfach stehen geblieben", wundert sich die 47-Jährige noch immer. Was da los war? Keine Ahnung. Die Polizei habe ihr nicht viel sagen können. Bloß, dass nur etwa 50 Autos pro Stunde durchgelassen würden und sie sich gedulden solle.

Zweimal sei sie eingeschlafen und dann von Polizisten geweckt worden. "Vor mir stand keiner, und hinter mir haben alle gehupt", erinnert sie sich. Die Situation sei beängstigend gewesen. Sie habe nur Betonwände gesehen und nicht mal auf die Toilette gehen können.

Kinder organisierten im Stau Nachtwache für Dreifachmama Irina

Stau in Österreich
Für viele Kroatien-Rückkehr war vor der österreichischen Grenze erst mal Schluss.
© dpa, -, rs abl

Aber alles wäre noch viel schlimmer gewesen, wären ihre drei Kinder nicht für die Dreifach-Mama da gewesen. Richtig stolz sei sie auf ihre Töchter Emilia (10) und Alessia (7) und ihren Sohn (14), sagt Irina Jegel. Die drei hätten eine Art Nachtwache gehalten, damit immer jemand wach sei. "Aber dann sind wir alle eingeschlafen."

Die neue Regelung der Österreicher findet Irina Jegel einfach nur lächerlich. "Richtig sauer" sei sie deshalb. Anscheinend sei es den verantwortlichen egal, ob jemand Hunger habe oder auf die Toilette müsse.

Insgesamt 22 Stunden für rund 850 Kilometer vom kroatischen Porec nach Heilbronn – dieses Erlebnis werden Irina Jegel und ihre drei Kinder so schnell nicht vergessen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Auch Durchreisende aus Kroatien müssen sich registrieren

Wegen der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Kroatien hatte Österreich am Samstag die Grenzkontrollen verschärft. Ab jetzt sind nicht nur Einreisende verpflichtet, einen negativen Test vorweisen oder sich in Quarantäne zu begeben: Auch alle Durchreisenden müssen ein Formular ausfüllen und sich registrieren.

Vor dem Karawankentunnel kam es zu einem Stau von bis zu zwölf Kilometern Länge. Betroffen waren auch viele deutsche Urlauber auf der Rückreise von Kroatien.

Ein Erfahrungsbericht, wie der Corona-Test nach dem Kroatien-Urlaub abgelaufen ist – können Sie hier lesen. 

Corona-Alarm in Kroatien: Was bedeutet das für meinen Urlaub?

Jetzt kontrolliert Österreich nur noch stichprobenartig

Der Landeschef des Bundeslandes Kärnten, Peter Kaiser, sah deshalb eine akute Gefahrensituation für die vielen Wartenden und ihre Kinder und ordnete an, Transitreisende nur stichprobenartig zu kontrollieren. Dadurch verkürzte sich die Wartezeit, und die Verkehrssituation beruhigte sich bis Sonntagnachmittag sowohl am Karawanken-Tunnel sowie bei dem kleineren Grenzübergang am Loiblpass, berichtete der Automobilclub ÖAMTC .

Die neue Regel für Transitverkehr aus Risikogebieten sei vom Gesundheitsministerium erst am Freitag erlassen worden und den lokalen Behörden vorab nicht kommuniziert worden, kritisierte ein Sprecher der Kärntner Landesregierung. "Das hat zu dem Chaos geführt", sagte er .