Gesundheitsminister nach AstraZeneca-Impfstopp in der Kritik

SPD-Chef in NRW: "Spahn ist mit seinem Job überfordert" - nicht mehr tragbar

Jens Spahn im Fokus der Kritik
Jens Spahn im Fokus der Kritik
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17. März 2021 - 8:34 Uhr

In Deutschland wird vorübergehend nicht mit AstraZeneca geimpft

Auch Deutschland setzt die Corona-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca aus. Man folge damit einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts – als Vorsichtsmaßnahme, teilte Jens Spahn am Montag mit. Darauf folgte viel Kritik, mit Rücktrittsforderungen an Spahn aus der NRW-SPD: Erst habe Spahn bei der Beschaffung der Impfstoffe versagt, dann bei der Teststrategie, begründete Thomas Kutschaty im "Spiegel" seine Forderung: "Spahn ist mit seinem Job überfordert."

Der SPD-Fraktionschef und designierte Parteichef in NRW legte nach: "Ein solcher Gesundheitsminister ist in dieser historischen Krise nicht mehr tragbar. Angela Merkel muss jetzt schnell handeln."

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Vorerst keine Impfung mit AstraZeneca - Was sagen Sie dazu?

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte, der Stopp auf Basis geringer Fallzahlen sei angesichts der dritten Corona-Welle fahrlässig – mit Blick auf sieben gemeldete Fälle von Blutgerinnseln nach 1,6 Millionen Impfungen mit AstraZeneca. Dieser Vorgang sei "die nächste Erschütterungswelle" für das Vertrauen in die Corona-Politik der Bundesregierung. "Eine Alternative wäre es, über das überschaubare Risiko ausführlich aufzuklären und weiterhin jene Menschen zu impfen, die eine Impfung mit AstraZeneca möchten."

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte eine kurzfristige neue Einschätzung der Bundesregierung. So entstehe der Eindruck, es komme auf Stimmungen an, sagte Vorstand Eugen Brysch. "Doch es dürfen nur die wissenschaftliche Wirksamkeit und die Verträglichkeit der Seren zählen."

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"Angesichts von Ungewissheit ist es gut, vorsichtig zu sein. Aber in den derzeitigen Umständen mit steigenden Fallzahlen in Deutschland dürfte die Vorsicht es gebieten, schnellstmöglich so viele Menschen wie möglich zu impfen", sagte der britische Statistikprofessor David Spiegelhalter von der Universität Cambridge. Außerdem seien mögliche Schäden durch die Verstärkung von Vorbehalten gegen den Impfstoff zu bedenken. "Das sind schwierige Entscheidungen in ungewöhnlichen Zeiten", so Spiegelhalter.

In einem Gastbeitrag im "Guardian" hatte der Wissenschaftler am Montag davor gewarnt, kausale Zusammenhänge zu sehen, wo keine sind. Die klinischen Studien, die zur Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs in Großbritannien führten, und die Erfahrungen aus dem Impfprogramm in dem Land mit rund zehn Millionen verabreichten Dosen des Präparats hätten gezeigt, dass das Vakzin "außerordentlich sicher" sei.

Vorausgegangen waren der Entscheidung in Deutschland Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Präparat: "Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa, hält das PEI weitere Untersuchungen für notwendig", so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA werde entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken.

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