Kritik an "Gamescom"-Werbekampagne der Bundeswehr: "Schießwütige Killer" gesucht?

Die Bundeswehr wirbt mit umstrittenen Plakaten rund um die Computerspielmesse "Gamescom".
© dpa, Henning Kaiser, hka fdt

23. August 2018 - 20:30 Uhr

Geschmacklose Werbekampagne oder legitime Anwerbung von Bundeswehr-Nachwuchs?

Setzt die Bundeswehr Krieg mit Videospielen gleich? Auf der Computerspielemesse "Gamescom" in Köln wirbt das deutsche Militär mit umstrittenen Plakaten. Im Netz hagelte es sofort heftige Kritik. Mit den Plakaten würden Krieg und Töten verharmlost, meinen viele. Die Bundeswehr verteidigte den Werbe-Auftritt. Mit der Kampagne wolle man junge Erwachsene zum Nachdenken bringen.

Plakate bei der "Gamescom" sorgen für Shitstorm

Auf den Plakaten, die rund um die "Gamescom" im gesamten Kölner Stadtgebiet aufgehängt wurden, wirbt die Bundeswehr mit Slogans wie "Multiplayer at its best!" und "Mehr Open World geht nicht!" – Begriffe aus dem Gamer-Jargon. "Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was wirklich zählt: Krieg spielen oder Frieden sichern?", twittert die Bundeswehr.

Das sehen viele User anders: "Auf diesen Plakaten geht es doch nicht um Frieden sichern. Die Aussage ist: Bei uns bekommt ihr echte Waffen, mit denen ihr herumballern und töten könnt. Die Bundeswehr kämpft ja manchmal um ein besseres Image. Aber mit solchen Plakaten ist klar, wie sie sich selbst sieht", schreibt eine Twitter-Userin. Mit solchen Plakaten suche die Bundeswehr "schießwütige Killer", kritisieren andere.

"Werbung oder Wehrpflicht"

Bundeswehr wirbt auf "Gamescom"
Die Bundeswehr wirbt auf der Computerspielmesse "Gamescom" um neue Rekruten. (Foto: RTL)

Doch es gibt auch Gegenstimmen. "Jeder, der sich darüber aufregt, dass die Bundeswehr Werbung für sich macht, sollte mal darüber nachdenken, wie sie bis 2011 an ihre Leute gekommen ist und ob ihm das besser gefallen hat!", meint ein User. Bis vor sieben Jahren herrschte in Deutschland noch Wehrplicht. "Willkommen in der Realität einer Welt, in der niemand zum 'Dienst am Vaterland' gezwungen wird. Entweder Werbung oder Wehrpflicht", twittert ein anderer.