Kritik an CSU nach Merkels Gastrede beim Parteitag

22. November 2015 - 11:19 Uhr

"Damit hat man jede Form des normalen Umgangs verlassen"

Nachdem ein offen ausgetragener Dissens zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Seehofer in der Flüchtlingspolitik auf dem Parteitag in München zutage getreten war, wird das Verhalten der CSU scharf kritisiert. Nach einer Gastrede auf offener Bühne hatte Seehofer der Bundeskanzlerin sehr ausführlich widersprochen - und ließ sie damit schlecht aussehen.

Horst Seehofer, CSU und Angela Merkel, CDU
CSU-Chef Horst Seehofer trägt seine Kritik am Flüchtlingskurs von Bundeskanzlerin Merkel offen aus - dabei bekam er Rückenwind aus seiner Parteireihe.
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"Das ist unhöflich, ungehörig und nicht erträglich", sagte CDU-Europa-Abgeordnete Elmar Brok dem Berliner 'Tagesspiegel am Sonntag'. "Damit hat man jede Form des normalen Umgangs verlassen." Wegen der Meinungsverschiedenheiten zum Kurs in der Flüchtlingskrise hatten die CSU-Delegierten Merkel beim Verlassen der Halle den üblichen Beifall weitgehend versagt.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner lehnte einen Kommentar zum Umgang der Schwesterpartei mit der Kanzlerin mit der Bemerkung ab, sie müsste dann "die klassischen Höflichkeitsformen verlassen".

Auch der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir kritisierte die Art und Weise, wie CSU-Chef Horst Seehofer die Kanzlerin auf offener Bühne brüskiert hatte. "Das ist einfach unanständig, unhöflich, ungehobelt. Ich weiß nicht, wo man bei der CSU Manieren gelernt hat", sagt er dem Sender 'SWR' am Rande der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Halle.