Kritik an Ben-Ali-Prozess

13. Februar 2016 - 12:52 Uhr

Der erste Gerichtsprozess gegen den früheren tunesischen Diktator Zine el Abidine Ben Ali hat für Kritik gesorgt. «Die Schnelligkeit dieses Verfahrens wirft ernsthafte Fragen auf», sagte die Expertin für Internationale Strafgerichtsbarkeit bei Amnesty International, Leonie von Braun, im Deutschlandradio Kultur. Zudem sei fragwürdig, dass die Verhandlung in Abwesenheit des Angeklagten stattfinde. "In Abwesenheit hat ein Angeklagter nicht die erforderlichen Möglichkeiten, sich zu verteidigen", erklärte von Braun.

Ben Ali und seine Frau Leila waren am Montagabend in einem eintägigen Blitzprozess zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Ein tunesisches Strafgericht sprach die beiden in Abwesenheit der Veruntreuung von Staatsvermögen für schuldig. Neben der Gefängnisstrafe verhängten die Richter eine Geldstrafe und Schadensersatzzahlungen in Gesamthöhe von 91 Millionen Dinar (rund 46 Millionen Euro).

Ein Anwalt Ben Alis nannte das Urteil einen "Witz". Kein europäisches Gericht könne einen solchen Spruch anerkennen, sagte Akram Azoury nach Medienberichten.