Kritik an Anja Karliczek: Brauchen wir eine Langzeitstudie zu Kindern mit gleichgeschlechtlichen Eltern?

22. November 2018 - 13:10 Uhr

Heftige Kritik an Bildungsministerin Anja Karliczek

Die Kritik an Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und ihren Äußerungen zu Kindern aus gleichgeschlechtlichen Ehen wächst. Die Ministerin hatte in einem n-tv-Interview gefordert, in einer Langzeitstudie klären zu lassen, welche Auswirkungen es für Kinder hat, mit Eltern in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft aufzuwachsen. Zudem bezeichnete sie das Tempo bei der Einführung der Ehe für alle als zu hoch. Sie selbst hatte dagegen gestimmt.

Ihre Kabinettskollegin Franziska Giffey (SPD) wies die Forderung mit Nachdruck zurück. "Schon heute belegen Studien, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften genauso gut entwickeln wie in Familien mit Mutter und Vater. Was zählt, ist dass sich Menschen liebevoll um ihre Kinder kümmern", sagte die Familienministerin dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

"Unsachgemäße Scheinargumente"

Als "ärgerliche Realitätsverweigerung" bezeichnete Doris Achelwilm (Linke) Karliczeks Forderung. Sie warf der Ministerin vor, "unsachgemäße Scheinargumente" zu bemühen und "Vorbehalte über die Eignung Homosexueller zur Elternschaft" zu schüren.

Grünen-Politikerin Claudia Roth nannte Karliczeks Aussagen "völlig an der Realität vorbei." Sie findet: "Es gibt viele Untersuchungen, die deutlich machen, Kinder brauchen vor allem eines: Liebe zu Hause."

Karliczek hatte bei n-tv gesagt, es sei "eine spannende Forschungsfrage", das Thema "wirklich langfristig zu erörtern". Zudem hatte sie zur Einführung der Ehe für alle gesagt, dass die Art, wie der Beschluss zustande kam, nicht richtig gewesen sei. "So, wie wir es gemacht haben, hat es eher für Polarisierung gesorgt. Wir verschieben eine ganze Gesellschaft und reden gar nicht richtig darüber."

Ein Ministeriumssprecher stellt unterdessen klar, dass es "keine aktuellen oder neuen Pläne oder einen Auftrag zur Forschung an Langzeitauswirkung von gleichgeschlechtlichen Eltern auf Kinder" gebe. Karliczek habe die Thematik bei Klamroth lediglich als "spannende Forschungsfrage" bezeichnet.