Kritik an Aktion des "Zentrums für politische Schönheit"

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3. Dezember 2019 - 19:30 Uhr

Die sogenannte Gedenkstätte des für seine umstrittenen Aktionen bekannten Künstlerkollektivs "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hat Kritik vom Zentralrat der Juden provoziert. "Die jüngste Aktion von @politicalbeauty ist aus jüdischer Sicht problematisch, weil sie gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe verstößt", hieß es in einem Tweet des Zentralrats der Juden. "Sollte es sich tatsächlich um Asche von Schoa-Opfern handeln, dann wurde die Totenruhe gestört."

Die Gruppe hatte am Montagmorgen in Sichtweite des Reichstagsgebäudes eine "Gedenkstätte" errichtet. Zu der Aktion gehört eine Stahlsäule, die nach Angaben des ZPS Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält. An der Stelle, die das ZPS für seine Aktion gewählt hat, hatten die Reichstagsabgeordneten im März 1933 mit breiter Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, das der NS-Regierung ermöglichte, den Rechtsstaat auszuhebeln und ihre Diktatur aufzubauen. Es gehe darum, ob heute wieder eine Diktatur drohe, hatte der Aktionskünstler und ZPS-Gründer Philipp Ruch gesagt.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte: "Die Bundesregierung achtet selbstverständlich die Kunstfreiheit. Sollte sich allerdings bewahrheiten, dass die Asche von Opfern verwendet wurde, findet die Bundesregierung dies außerordentlich pietätlos und geschichtsvergessen."

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem äußerte sich zurückhaltend. "Wir glauben, dass eine respektvolle künstlerische Darstellung des Themas legitim sein kann, so lange sie in keiner Weise das Andenken an den Holocaust beleidigt, herabsetzt oder entweiht", hieß es in einer Stellungnahme. "Yad Vashem bittet deshalb Künstler dringend, verantwortungsbewusst zu handeln und die Erinnerung an die Opfer des Holocaust sowie an die Überlebenden zu respektieren, die die Gräuel dieser Ära ertragen haben."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sagte ein vereinbartes Gespräch mit dem ZPS ab, wie die "Rheinische Post" (Mittwoch) berichtet. In diesem Gespräch habe das Künstlerkollektiv seine Aktion näher erläutern wollen, sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Die Vorgehensweise des ZPS nannte Schuster unseriös. Sie diene offensichtlich ausschließlich dazu, Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, erklärte: "Die jüngste Aktion des Zentrums für Politische Schönheit soll provozieren, ist aber tatsächlich nur geschmacklos, taktlos und pietätlos."

Quelle: DPA