Hamburgs Bürgermeister bekommt Brief aus Israel

Kritik am Wiederaufbauplan der Bornplatzsynagoge lässt nicht nach

Die Bornplatzsynagoge in Hamburg vor der Zerstörung
Die Bornplatzsynagoge in Hamburg vor der Zerstörung
© RTL Nord

04. März 2021 - 18:39 Uhr

Bringt der Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge mehr Schaden als Nutzen mit sich?

Mehr als 100.000 Menschen haben sich in einer Petition für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge im Herzen der Hansestadt ausgesprochen und auch die Hamburger Politik hat das Großprojekt abgesegnet. Das Ziel der Jüdischen Gemeinde in Hamburg ist es, das 1938 von den Nazis zerstörte Gotteshaus zu rekonstruieren – doch genau das stößt auf Kritik von anderen Vertretern jüdischen Glaubens, die mehr Schaden als Nutzen befürchten. Jetzt hat sogar Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) einen Brief aus Israel erhalten.

Die Kritik: Das Erlebte könne in Vergessenheit geraten

45 Künstler und Historiker aus Israel – allesamt mit Wurzeln in Hamburg - schreiben Peter Tschentscher in einem Brief, dass mit dem Bau der neuen Synagoge das Erlebte und die Taten der Nationalsozialisten in Vergessenheit geraten könnten. Denn zurzeit ist am ehemaligen Bornplatz, der heute Joseph-Carlebach-Platz heißt, eine Gedenkstätte zu sehen. Zahlreiche Mosaiksteinchen zeigen auf dem leeren Platz den Grundriss der alten Synagoge. Eine große, freie Fläche wie diese ist in Hamburg eine Seltenheit: "Wo gibt es in der Stadt noch nicht bebaute Plätze, freie Plätze. Und genau dieses 'darüber stolpern', über diesen freien Platz, das kann im besten Fall dazu führen, dass wir uns fragen: Was ist hier eigentlich gewesen?", sagt die Hamburger Historikern Miriam Rürup gegenüber RTL.

Norddeutschlands größte Synagoge

Ehemaliger Standort der Bornplatzsynagoge in Hamburg
Ehemaliger Standort der Bornplatzsynagoge in Hamburg
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Das Gotteshaus wurde 1906 im Grindelviertel erbaut und hatte Platz für 1200 Gläubige. Bis zur Reichsprogromnacht 1938 war die Bornplatzsynagoge mit ihrer 39 Meter hohen Kuppel die größte Synagoge Norddeutschlands. In jener Nacht legten die Nationalsozialisten ein Feuer am Gebäude und verwüsteten es so sehr, dass es im folgenden Jahr komplett abgerissen werden musste – und zwar auf Kosten der jüdischen Gemeinde. Im Anschluss mussten sie das Grundstück an die Stadt verkaufen – Geld haben sie dafür allerdings nie gesehen.

Initiator will auf Kritiker zugehen

Der Initiator der Kampagne "Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge", Daniel Sheffer, will deshalb auf die Gegner des Bauvorhabens zugehen: "Für die Kritiker spreche ich die Einladung aus, im Dialog Wege zu finden. Auch für das Bodenmosaik, wie wir ihn für die Zukunft gemeinsam erhalten können", bestätigt er im Interview mit RTL. Ziel sei also kein exakter Nachbau, sondern ein "Neubau, um jüdisches Leben wieder sichtbar und erlebbar zu machen", erklärt Sheffer weiter.

Politik hält am Projekt fest

Auch wenn es Kritik hagelt – der Wiederaufbau steht fest: "Wir haben viele Spuren jüdischen Lebens in der Stadt, teilweise sichtbar gemacht, teilweise aus der Gemeinde heraus entwickelt und natürlich gehört das eine mit dem anderen zusammen – auch die Vielfalt verschiedener Strömungen von Judentum in Hamburg zu haben", so Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. Im Spätsommer sollen die ersten Konzepte zur Umsetzung feststehen. Rund 130 Millionen Euro soll das Projekt den Bund und die Hansestadt kosten.