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Krise um Nervengas-Anschlag auf Spion Skripal spitzt sich zu

Ton zwischen Moskau und London wird schärfer
Ton zwischen Moskau und London wird schärfer Nervengift-Anschlag: 01:49

Russland weist britisches Ultimatum zurück

Der Ton zwischen Moskau und London wird schärfer. Russland hat das britische Ultimatum nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter zurückgewiesen und seinerzeit Konsequenzen angekündigt. "Jegliche Drohungen, Russland mit Strafmaßnahmen zu belegen, werden nicht unbeantwortet bleiben", teilte das Außenministerium in Moskau mit. Darauf müsse sich Großbritannien gefasst machen.

Außenminister Lawrow: "Russland ist nicht schuldig"

Police officers stand on duty outside a restaurant which has been secured as part of the investigation into the poisoning of former Russian inteligence agent Sergei Skripal and his daughter Yulia, in Salisbury, Britain March 11, 2018. REUTERS/Henry N
Auch in diesem Restaurant in Salisbury, in dem Sergej Skripal und seine Tochter Gäste waren, wurden Spuren des Nervengifts gefunden. © REUTERS, HENRY NICHOLLS, AW

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte: "Russland ist nicht schuldig." Er forderte einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und zu den verdächtigen Proben, um eine eigene Analyse der verdächtigen Substanz vorzunehmen. Russland hat nach eigener Darstellung alle Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen habe dies bezeugt, teilte das Industrieministerium in Moskau mit.

Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden. Die Ermittlungen in dem Fall werden nach Polizeiangaben viele Wochen dauern.

Merkel fordert "rasche Antworten" aus Moskau

16.02.2018, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) und Großbritanniens Premierministerin Theresa May kommen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz nach einem Gespräch im Kanzleramt. Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Angela Merkel und Theresa May (Archiv). © dpa, Maurizio Gambarini, gam sab

Premierministerin Theresa May hatte erklärt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach Russland hinter dem Anschlag stecke. Moskau sollte sich binnen 24 Stunden gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Ansonsten drohten Konsequenzen, die May aber nicht näher ausführte.

Rückendeckung erhielt Großbritannien aus Deutschland, Frankreich, den USA und von der Nato. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. Sie nehme die Einschätzung der britischen Regierung zur Frage einer russischen Verantwortung für den Anschlag "außerordentlich ernst". Russland müsse jetzt "rasche Antworten" auf die berechtigten Fragen der britischen Regierung geben.

Russischer Ex-Dissident tot in London entdeckt

13.03.2018, Großbritannien, London, New Malden: Ein Polizist bewacht ein Wohnhaus in Südwesten von London. Nach Polizeiangaben wird im ungeklärten Todesfall des russischen Geschäftsmanns Nikolai Gluschkow ermittelt. Im Fall Gluschkow sieht die Polize
Der ehemalige Dissident Nikolai Gluschkow wurde in diesem Haus in London tot aufgefunden. © dpa, Yui Mok, afn nwi

Mays Ansicht nach gibt es nur zwei mögliche Erklärungen für das Attentat: Entweder habe Moskau den Anschlag direkt ausgeführt oder die russische Regierung habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in andere Hände gelangt. Der russische Botschafter in London wurde in das Außenministerium einbestellt. Wie May äußerte sich der im Exil lebende russische Ex-Oligarch Michail Chodorkowski. "Putin hat dies angeordnet oder - auch das ist möglich - Putin hat die militärischen Geheimdienste nicht mehr unter Kontrolle", sagte er dem ZDF.

Unterdessen wurde bekannt, dass der russische Ex-Dissident Nikolai Gluschkow tot in seinem Haus in London entdeckt wurde. Die Todesursache ist noch unklar. Die Anti-Terror-Polizei übernahm aber vorsichtshalber die Ermittlungen, sieht aber derzeit keine Verbindung zu dem Attentat in Salisbury.

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