Thomas Drach soll für Geldtransporter-Raub verantwortlich sein

Kriminologe über Reemtsma-Entführer: Er hat die psychische Kraft, solche Raubüberfälle durchzuziehen

Reemtsma-Entführer Thomas Drach wurde nach Geldtransport-Überfällen verhaftet.
© dpa, Michael Probst, pro_uw kde

23. Februar 2021 - 19:08 Uhr

Kriminologe erklärt, warum Thomas Drach rückfällig geworden sein könnte

Er war einer der bekanntesten Verbrecher Deutschlands – jetzt soll er rückfällig geworden sein: Der verurteilte Reemtsma-Entführer Thomas Drach soll an drei spektakulären Geldtransporter-Überfällen beteiligt gewesen sein. Der 60-Jährige wurde in Amsterdam festgenommen und soll dort am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Im RTL-Interview erklärt der Psychologe und Kriminologe Prof. Rudolf Egg, welche Gründe es geben könnte, dass der Ex-Häftling wieder auf die schiefe Bahn geraten zu sein scheint.

Einmal Verbrecher, immer Verbrecher?

"Der Volksmund sagt: Die Katze lässt das mausen nicht", meint der Experte. Drach sei jemand, der die psychische Kraft habe, solche Raubüberfälle, die ihm jetzt vorgeworfen werden, auch durchzustehen. Eine solche Tat zu planen und auszuführen gehe mit sehr viel Stress einher. Das müsse man aushalten können. Drach wisse, wie man eine Waffe besorgen und wo man das große Geld machen könne. "Er ist halt jemand, der weiß, wie man so etwas macht", glaubt Egg.

Die Raubüberfälle auf Geldtransporter 2018 und 2019 für die der Reemtsma-Entführer verantwortlich gemacht wird, sind aus Sicht des Experten "schon sehr professionell". Die Täter müssen die Taten relativ gut vorbereitet und durchgeführt haben, sonst hätten die Ermittler nicht so lange gebraucht, um die Verdächtige zu fassen.

Warum wird der Reemtsma-Entführer ausgerechnet jetzt rückfällig?

Drach sei mit 60 jetzt eigentlich in einem Alter, in dem sich andere langsam auf die Rente vorbereiten, erklärt Egg. Es müsse also einen Grund geben, wenn er plötzlich Raubzüge plane und damit erneut eine lange Gefängnisstrafe riskiere. Dem Ex-Häftling könnte schlicht das Geld ausgegangen sein. "Er hat wohl keine Mittel mehr gehabt", vermutet der Experte. Sind also die Millionen aus der Lösegeldzahlung bei der Entführung wirklich aufgebraucht?

Drach sei tief in der kriminellen Szene vernetzt und müsse möglicherweise zahlreiche Mitwisser und Helfer bedienen und alte Schulden begleichen, vermutet er. "Da können auch Millionenbeträge sehr schnell zerrinnen", glaubt der Kriminologe. Daher passe es ins Bild, dass Drach dann auf die Idee gekommen sein könnte, bewaffnete Überfälle zu unternehmen.

Drach hat nur acht Jahre in Freiheit verbracht

Sollten sich die Vorwürfe gegen Drach bestätigen, droht ihm erneut eine lange Haftstrafe –eventuell sogar mit anschließender Sicherheitsverwahrung, vermutet Egg. Der Reemtsma-Entführer wurde erst vor acht Jahren aus der Haft entlassen und setzte sich danach ins Ausland ab. Den Stress, den so ein Verfahren gegen ihn auslöse, stecke Drach vielleicht etwas besser weg, als jemand der vorher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei. Trotzdem müsse auch er sich darauf gefasst machen, dass er im schlimmsten Fall den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen könnte.

Im März 1996 hatten Drach und seine Komplizen den Hamburger Soziologen und Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt und nach 33 Tagen gegen Lösegeld wieder freigelassen. Zwei Jahre später wurde Drach in Buenos Aires (Argentinien) gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Thomas Drach, gebürtig aus Erftstadt, brachte die Fahnder bei einem Überfall am nahen Flughafen Köln/Bonn auf seine Spur. Im März 2019 soll er dort mit Komplizen einen Geldtransporter überfallen haben. Ein Augenzeuge filmte den offensichtlich höchst professionell vorbereiteten Coup. Neben dem Raubzug am Airport rechnen die Ermittler Drach auch einen früheren, ähnlichen Überfall am Ikea-Möbelhaus in Köln-Godorf (24. März 2018) und einen späteren an einem Frankfurter Ikea (6. März 2019) zu.