Krieg in Syrien: Türkische Armee erobert Kurden-Stadt Afrin

18. März 2018 - 20:39 Uhr

Erdogan verkündet Erfolg der Armee

Knapp zwei Monate nach dem Beginn der Militäroffensive in Nordwestsyrien haben die türkische Armee und verbündete Rebellen die umkämpfte kurdische Stadt Afrin eingenommen. Das Stadtzentrum sei seit 08:30 Uhr Ortszeit "vollkommen" von türkischen Einheiten eingenommen, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede anlässlich des "Tags der Märtyrer" im westtürkischen Canakkale.

Türkische Armee verkündet Sieg via Twitter

Die türkische Fahne und die der verbündeten Freien Syrischen Armee (FSA) wehten nun in Afrin, so Erdogan. Die türkischen Streitkräfte veröffentlichten entsprechende Bilder via Twitter. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Einnahme des Stadtzentrums. Es habe am Sonntag aber noch Kämpfe mit einigen kurdischen Einheiten in der Stadt gegeben, die vereinzelt Widerstand leisteten. Ein Sprecher der FSA-Rebellen sagte, seine Einheiten kontrollierten nun 97 Prozent von Afrin. Eine Bestätigung von kurdischer Seite gab es zunächst nicht.

Die türkischen Streitkräfte (TSK) teilten mit, das Gebiet werde nun von Minen und Sprengsätzen gesäubert. Auf von der Armee verbreiteten Bildern waren mit türkischen Fahnen geschmückte Panzer zu sehen, die demnach durch die Straßen Afrins rollten. Die Türkei hatte den Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordwestsyrien am 20. Januar begonnen. Sie sieht die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation und begründet den Einsatz mit Selbstverteidigung. Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste.

Streit um Einsatz der Türkei in Syrien

Die YPG dagegen ist wichtiger Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In Deutschland hatten Bundestagsabgeordnete mehrerer Parteien den Einsatz als völkerrechtswidrig verurteilt. Nach Angaben der Beobachtungsstelle harren noch tausende Zivilisten in Afrin aus. In den vergangenen Tagen waren angesichts der türkischen Offensive Zehntausende Menschen aus Afrin geflohen. Am Samstag hatte ein mutmaßlicher türkischer Angriff auf ein Krankenhaus in Afrin von Freitagnacht für Aufregung gesorgt. Während die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und ein Arzt in Afrin von 16 Toten durch türkischen Beschuss berichteten, dementierten die türkischen Streitkräfte den Angriff.