Kremlgegner seit Februar in Straflager

Alexej Nawalny kündigt Hungerstreik an

Kremlkritiker Alexej Nawalny
Kremlkritiker Alexej Nawalny
© dpa, Uncredited, AZ lop dba jai

31. März 2021 - 17:47 Uhr

Angeblich habe er keinen Zugang zu medizinischer Versorgung

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Nawalny hat via Instagram einen Hungerstreik angekündigt. "Warum treten Gefangene in Hungerstreik? Diese Frage beunruhigt nur diejenigen, die keine Gefangenen waren.(...) Aber sie haben keine anderen Kampfmethoden." Sätze wie diese wurden am Mittwochnachmittag von seinem Instagram-Account in seinem Namen gepostet. Und: "Das Leben eines Gefangenen ist weniger wert als eine Packung Zigaretten." Er sei "hungrig, aber bisher auf zwei Beinen."

Ein russisches Gericht hatte Nawalny, Russlands bekanntesten Oppositionspolitiker, im Februar zur Haft im Straflager verurteilt. Seitdem kommen immer mal Details über seinen Zustand ans Licht, zuletzt hieß es, er würde unter starken Rückenschmerzen leiden.

Nawalnys Gesundheitszustand hat sich rapide verschlechtert

Ein Hungerstreik sei alles andere als gut für Nawalny. Dutzende russische Ärzte haben für den im Straflager inhaftierten Kremlkritiker Alexej Nawalny eine rasche medizinische Hilfe wegen seines Rückenleidens gefordert. In einem offenen Brief an den Chef des Strafvollzugs und in Videobotschaften verlangten die Mediziner eine angemessene Behandlung, um "die Gefahr für sein Leben und seine Gesundheit" abzuwenden. Konkret forderten die Ärzte den Zugang eines Neurologen zu dem 44-Jährigen und den Einsatz von moderner diagnostischer Technik. Sie erinnerten zudem daran, dass der Gefangene nach einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt sei. Der Kreml bezeichnete sich als nicht zuständig.

Nawalny selbst beklagte in einem neuen Post bei Instagram Schikanen im Lager. So habe er sechs Verwarnungen erhalten, darunter etwa, weil er sich einmal zehn Minuten vor dem Kommando "Aufstehen" vom Bett erhoben habe. Zudem kritisierte er eine Videokollektion des Lagers als "idiotisch" und weigerte sich, die Sammlung anzusehen.