Fünf Monate nach Vergiftung zurück in Russland

Kreml-Kritiker Nawalny nach Landung in Moskau festgenommen

18. Januar 2021 - 6:57 Uhr

Nawalnys Ehefrau Julia begleitet ihn

Fünf Monate nach seiner Vergiftung in Sibirien ist der Kremlkritiker Alexej Nawalny nach Russland zurückgekehrt. Das Flugzeug wurde umgeleitet und landete am Sonntag etwa drei Stunden nach dem Start in Berlin auf dem Moskauer Airport Scheremetjewo. Fast direkt nach seiner Landung in ist Nawalny noch am Flughafen festgenommen worden. Der 44-Jährige sei an der Passkontrolle abgeführt worden, meldete der Telegram-Kanal des Oppositionellen am Sonntag. RTL konnte vor Abflug des Flugzeugs noch mit Nawalny sprechen, als er noch frohen Mutes war, ein freier Mann zu bleiben. Seine Worte – im Video.

Ehefrau bedankt sich bei Unterstützern

Russlands Strafvollzug hatte ihn zur Fahndung ausgeschrieben, weil er während seines Aufenthaltes in Deutschland gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll. Nawalny will trotz der Gefahr für sein Leben seinen politischen Kampf gegen das System von Kremlchef Wladimir Putin fortsetzen.

Nawalny flog in Berlin los

Das Flugzeug der russischen Gesellschaft Pobeda hob am Nachmittag vom Berliner Flughafen BER ab. Der 44-Jährige wird unter anderem von seiner Ehefrau Julia Nawalnaja und seinen Mitarbeitern begleitet, wie auf einem Foto in den sozialen Netzwerken zu sehen war. Seine Frau meldete sich inzwischen zu Wort und bedankte sich bei den Unterstützern: "Sie haben so viel Angst vor Alexej, dass sie alles am Flughafen gestoppt haben. Alle Flüge aus Moskau. Sie haben so viele Leute am Boden gelassen, weil ein Mann in seine Heimat zurückgekehrt ist. Das Wichtigste ist, dass Alexej keine Angst hat, ich keine Angst habe, und ihr auch keine Angst haben solltet. Danke für eure Unterstützung.", wird Julia Nawalnaja von der Nachrichenagenur Reuters zitiert.

17.01.2021, Brandenburg, Schönefeld: Passagiere stehen am Checkin für den Flug nach Moskau. Kremlgegner Nawalny und seine Ehefrau wollen mit einem Flugzeug der der Fluggesellschaft ·Pobeda· zurück nach Moskau fliegen. Nawalny hielt sich für die Behan
Kremlgegner Nawalny ist zusammen mit seiner Frau Julia auf dem Weg nach Russland.
© dpa, Kay Nietfeld, nie cul

Anti-Terror-Polizei bezieht Stellung am Moskauer Flughafen

Auf dem Airport in Moskau bezogen Hundertschaften der Anti-Terror-Polizei OMON Stellung. Vor dem Gebäude standen mehrere Gefangenentransporter, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Der Oppositionsführer hatte seine Anhänger aufgerufen, ihn auf dem Flughafen zu treffen. Die Moskauer Staatsanwaltschaft warnte vor unerlaubten Kundgebungen auf dem Flughafengelände und drohte mit Konsequenzen.

17.01.2021, Schönefeld: Alexei Nawalny und seine Ehefrau Julia (l) besteigen ein Flugzeug der Fluggesellschaft «Pobeda», mit dem Nawalny von Berlin Schönefeld aus nach Moskau fliegen will. Nawalny hielt sich für die Behandlung nach seiner Vergiftung
Kremlgegner Nawalny im Flugzeug auf dem Weg nach Russland
© dpa, Mstyslav Chernov, DL lix

Zahlreiche Medien beklagten, dass die Flughafenverwaltung keine Kamerateams zulassen wollte. Die russische Justiz hat Nawalny zur Fahndung ausgeschrieben, weshalb der Gegner von Kremlchef Wladimir Putin mit seiner Festnahme rechnen muss. Er soll in einem früheren Strafverfahren gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben.

Im Video: Erstes Interview mit Nawalny nach seiner Vergiftung

"Es war für uns nie eine Option, nicht nach Russland zurückzukehren"

Nawalny erholte sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem als Chemiewaffe verbotenen Nervengift Nowitschok. Das Attentat war am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk verübt worden. Nawalny hatte immer wieder Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. Der Kremlchef hatte das stets zurückgewiesen. Ungeachtet der Gefahr, getötet oder festgenommen zu werden, erklärte Nawalny mehrfach, dass sein Platz in Russland sei und er dort seinen Kampf gegen das "System Putin" fortsetzen wolle.

"Es war für uns nie eine Option, nicht nach Russland zurückzukehren." Sagte auch Leonid Volkow, Sprecher des Putin-Kritikers, im Interview mit RTL und ntv. Wer Oppositionsarbeit machen wolle, müsse dafür vor Ort sein. "Man kann keine Demonstration organisieren und dann nicht selbst mitlaufen", so Volkow.

Quelle: dpa/RTL.de