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Kreml-Gegner Chodorkowski ist endlich in Freiheit

Kreml-Gegner Chodorkowski ist endlich in Freiheit

Plötzlicher Sinneswandel bei Putin?

Pussy Riot? Werden freigelassen, die 30 Greenpeace-Aktivisten ebenso. Insgesamt sollen 25.000 Menschen freigelassen werden. Wladimir Putin inszenierte eine große Show auf seiner Pressekonferenz, doch die größte Sensation kam wie zufällig beim Abgang: Michail Chodorkowski, der berühmte Kremlgegner, wird ebenfalls begnadigt und hat inzwischen das Straflager verlassen – in Richtung Berlin! Das Auswärtige Amt bestätigte die Ankunft des 50-jährigen Chodorkowski, der von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) am Flughafen abgeholt wurde. Erst hieß es, dass in Berlin seine krebskranke Mutter behandelt werde. Doch diese sagte der russischen Staatsagentur, dass sie "in Romaschkino im Gebiet Moskau" sei.

Freiheit für Michail Chodorkowski: Er ist auf dem Weg nach Deutschland
Michail Chodorkowski hat das Straflager nach zehn Jahren verlassen können.
REUTERS, SERGEI KARPUKHIN

Zehn Jahre lang saß Chodorkowski ein, zehn Jahre lang bemühten sich internationale Vertreter um dessen Freilassung. Nun unterschrieb Putin plötzlich die Begnadigungsurkunde für Chodorkowski. Ein Sinneswandel? Wohl kaum.

Gnadenakt muss binnen sechs Monaten umgesetzt werden

Die internationale Kritik häufte sich in letzter Zeit. Bundespräsident Joachim Gauck verkündete erst kürzlich, dass er nicht zu den Olympischen Spielen in Sotschi reisen werde. Auch die Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission, Viviane Reding, reist nicht nach Sotschi und begründete dies mit den Worten: "Ich werde sicherlich nicht nach Sotschi reisen, solange Minderheiten weiter so von der russischen Regierung behandelt werden". Ebenso wird die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite den Spielen fernbleiben. Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die russische Politik in Bezug auf die Ukraine als "empörend". Diese negative Presse kann Putin für sein Projekt, das der Winterspiele in Sotschi, nicht gebrauchen.

Deshalb bemüht er sich, dem Ausland ein freundliches Gesicht Russlands zu präsentieren. Denn durch die Freilassung sorgt der Kreml-Chef dafür, dass bei den Olympischen Spielen der Fokus der Medien mehr auf dem Event liegen wird. Demonstrationen für die Freilassung von Pussy Riot, den Greenpeace-Aktivisten oder Chodorkoswki werden nun nicht stattfinden.

Im März hätten die inhaftierten Mitglieder von Pussy Riot ihre Strafe abgesessen. Chodorkowski wäre regulär im August freigekommen. In Sotschi starten die Olympischen Winterspiele aber schon am 7. Februar. Nun bleibt abzuwarten, wann die anderen Häftlinge freigelassen werden, denn der Strafvollzug hat sechs Monate Zeit, den Gnadenakt umzusetzen.