Stress-Situation für Schwangere

Kreißsaal in Emden nur unter der Woche besetzt: Wohin, wenn die Wehen kommen?

07. Oktober 2019 - 18:49 Uhr

Hebammen-Mangel zwingt Klinik, Kreißsaal am Wochenende zu schließen

Für werdende Mütter ist die Geburt schon an sich mit viel Aufregung und Unsicherheit verbunden. Was aber, wenn sie dann mit geplatzter Fruchtblase und Wehen vor verschlossenen Türen stehen? In Emden, der größten Stadt Ostfrieslands, ist das an den Wochenenden Realität. Der Grund dafür: Zu wenig Personal. Welche Ängste so eine Situation auslösen kann, erklärt Tanja Gerdes von der Elterninitiative Mother-Hood im Video.

Für Geburt bis zu 40 Kilometer weiter fahren

Der Hebammen-Mangel zeigt sich in Emden ganz konkret: Am Wochenende können hier keine Kinder mehr geboren werden, stattdessen sollen werdende Mütter auf die Krankenhäuser in Aurich und Leer ausweichen, ein Umweg von bis zu 40 Kilometern.

Dass die Situation für die Schwangeren schwierig ist und sie verunsichert, kann die medizinische Geschäftsführerin Astrid Gesang des Krankenhauses nachvollziehen. Jedoch sei eine ohnehin schon dünne Personaldecke durch Krankheitsfälle noch dünner geworden. "Aus Mitarbeiter- und Patientenschutz mussten wir diesen Schritt einleiten, damit wir weiterhin sichere Geburtshilfe anbieten können", sagt Astrid Gesang im RTL-Interview. Das Klinikum Emden und das Krankenhaus in Aurich werden gemeinsam von einer Trägergesellschaft geleitet. Am Standort Aurich würden laut Astrid Gesang schon neue Hebammen ausgebildet, der aktuelle Markt sei leergefegt.

Immer weniger Hebammen

Die Ausbildungsbedingungen für Hebammen sind schlecht, die Versicherungen teuer. Darum entscheiden sich immer weniger Frauen für diesen Beruf. Für Schwangere ist dadurch die Versorgung nicht immer ausreichend gewährleistet. Mit dieser Situation kann niemand glücklich sein, findet auch die Elterninitiative Mother-Hood. Insbesondere Schließzeiten von Kreißsälen wie in Emden bringen Mütter in unnötige Stress-Situationen in einer ohnehin schon hochsensiblen Lebensphase, so Tanja Gerdes.

Bundesweite Personal-Engpässe

Nicht nur in Niedersachsen ist der Hebammenmangel und damit die Einstellung des Betriebs von Kreißsälen ein großes Problem: Laut dem Deutschen Hebammenverband sind von Schließung oder drohender Schließung in ganz Deutschland momentan rund 94 Kreißsäle betroffen, wie eine Karte auf der Website des Deutschen Hebammenverbands zeigt. Seit 2017 schließt nach Angaben des Verbands im Schnitt jeden Monat ein Kreißsaal.