Kreditaffäre: Wulff kämpft um sein Amt

10. Februar 2016 - 12:00 Uhr

Unterlagen zu Privatkredit veröffentlicht

Bundespräsident Christian Wulff steht wegen seiner engen Beziehungen zu vermögenden Unternehmern weiter in der Kritik - doch jetzt geht er in die Offensive. Von heute an können Journalisten die Unterlagen für den umstrittenen 500.000-Euro-Kredit, den eine Unternehmer-Gattin dem Ehepaar Wulff für den Kauf eines Hauses gewährt hatte, in einer Berliner Anwaltskanzlei einsehen. Zuvor hatte der Bundespräsident zudem eine Liste von Urlauben veröffentlicht, die er als niedersächsischer Ministerpräsident bei befreundeten Unternehmern gemacht hat.

Kreditaffäre: Wulff kämpft um sein Amt
Bundespräsident Wulff kommt nicht aus der Kritik.
© dpa, Rolf Zöllner

Wulff steht in der Kritik, weil er 2010 als Ministerpräsident im Landtag den Kredit von Edith Geerkens nicht erwähnte, als er nach seinen Geschäftsbeziehungen zu deren Mann Egon gefragt wurde. Wulff betont, der Kredit stamme von Frau Geerkens. Laut 'Spiegel' lassen Äußerungen ihres Mannes aber den Schluss zu, dass das Geld de facto doch von ihm stammt. 2009 verbrachten Christian und Bettina Wulff ihren Weihnachtsurlaub in der Geerkens-Villa in Florida. Aber auch schon 2003 und 2004 machte Wulff nach der Liste seiner Anwälte mit seiner damaligen Frau Christiane beim Ehepaar Geerkens in Spanien Urlaub.

Die Liste enthält zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Urlaube bei Freunden in Spanien, Italien, auf Norderney und in Florida. Nach Angaben seines Anwalts bezahlte Wulff dafür nichts. Hinzu kommt ein bereits bekannter Aufenthalt in der Mallorca-Ferienanlage des Unternehmers Carsten Maschmeyer, in die sich Wulff kurz nach seinem Amtsantritt als Bundespräsident im Sommer 2010 einmietete.

Weiter Oppositionskritik an Wulff

Die Grünen verlangen vehement, Wulff müsse nun alle Fakten - vor allem hinsichtlich des Kredits - nennen. Ihr Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, sagte in der ARD: "Der Bundespräsident ist in der Verpflichtung, über die Dinge, die aus der Zeit seiner Ministerpräsidentschaft rühren im Wesentlichen, endlich klar unmissverständlich Aufschluss zu geben."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier (CDU) mahnte, "dass man sehr vorsichtig sein soll mit solchen Vorverurteilungen, die am Ende vielleicht keinen Bestand haben, aber das Amt des Bundespräsidenten beschädigen können". Altmaier begrüßte, dass Wulff jetzt Einblick in die Kreditunterlagen gewährt und die Urlaubsliste veröffentlichen ließ. "Das ist Transparenz. Das ist aktives Bemühen um Aufklärung", sagte er der ARD. Zugleich sicherte er Wulff auch weiter die Unterstützung der Union zu. "Der Rückhalt schwindet nicht."

Wulff signalisierte am Wochenende, dass er trotz tagelanger Kritik an dem 2008 aufgenommenen und zunächst von ihm verschwiegenen Privatkredit zur Finanzierung seines Hauses nicht an Rücktritt denkt. "Man muss selber wissen, was man macht. Das muss man verantworten - das kann ich", antwortete er auf die Frage, wie er den politischen Druck aushalte.

Der FDP-Vorsitzende und frühere niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler stellte sich erneut hinter Wulff: Dieser habe jetzt für "größtmögliche Transparenz" gesorgt. Zur Forderung nach einem Rücktritt Wulffs, die ein FDP-Bundestagsabgeordneter erhoben hatte, sagte Rösler: "Das ist absolut nicht die Forderung der FDP."