Abnehmer sollen Ärzte und Heilpraktiker aus mehreren Ländern sein

Krebsmittel ohne Zulassung hergestellt und verkauft: 72-jähriger Hamburger vor Gericht

Auftakt eines Prozesses wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Foto: Christian Charisius/dpa
Auftakt eines Prozesses wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Foto: Christian Charisius/dpa
© deutsche presse agentur

17. Februar 2021 - 15:25 Uhr

Gefährlicher Handel mit unerlaubter Ware

Der Kampf gegen den Krebs ist grundsätzlich etwas Gutes. Jedoch ist die richtige Behandlung etwas, um das sich wirklich nur ausgebildete Mediziner kümmern sollten. Ein Molekularbiologe aus Hamburg soll die Hoffnung von Krebspatienten ausgenutzt und selbst ein Krebsmedikament in einem Labor in Hamburg-Bahrenfeld hergestellt haben und es in großen Mengen weiterverkauft haben – alles ohne eine Zulassung. Jetzt muss sich der heute 72-Jährige vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Das Medikament GcMAF ging auch ins Ausland

Von Januar 2014 bis Mai 2017 soll der Angeklagte das Medikament GcMAF an Ärzte und Heilpraktiker im In- und Ausland verkauft haben. Darunter sind auch Mediziner aus Österreich, der Schweiz und Thailand, so die Staatsanwältin am ersten Prozessauftakt. Doch das Prekäre an der Situation: Der Angeklagte ist weder als Arzt, noch als Apotheker zugelassen. Eine Genehmigung für die Herstellung des Krebsmittel in seinem Labor habe er nicht.

Formular sollte helfen, das Arzneimittelgesetz zu umgehen

Die Besteller hätten jeweils ein Formular ausfüllen müssen, in dem sie wahrheitswidrig angaben, das Medikament selbst hergestellt zu haben. So sollte das Arzneimittelgesetz umgangen werden. Die Staatsanwaltschaft geht von 400 Lieferungen aus. Alle einzelnen 400 Fälle werden durch die Staatsanwältin am ersten Verhandlungstag einzeln verlesen. Es wird deutlich, wie viele Menschen das nicht zugelassene Mittel erreicht hat. Der Angeklagte soll durch sein Vorgehen über 1,9 Millionen Euro eingenommen haben.

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Nur ein Nahrungsergänzungsmittel?

Der Verteidiger des 72-jährigen Biologen argumentiert: "Es ist ein Nahrungsergänzungsmittel - überhaupt kein Arzneimittel. Deshalb sind die Vorwürfe vollkommen ungerechtfertigt!" Das hergestellte Mittel sei daher legal. Ob es sich doch um ein Arzneimittel handelt, muss im Prozess geklärt werden. Außerdem beruft sich die Verteidigung darauf, dass der Angeklagte das Mittel im Auftrag von Ärzten oder Heilpraktikern produziert habe. Eine Auftragsfertigung sei erlaubt. "Es muss aufgeklärt werden, ob es sich um Fälle der sogenannten Eigenherstellung handelt. Es ist nach dem Arzneimittelgesetz möglich, das Heilbehandler ein nicht zugelassenes Medikament selbst herstellen oder herstellen lassen für die Behandlung eines bestimmten Patienten", sagt der Gerichtssprecher Kai Wantzen gegenüber RTL Nord.

Teilweise droht die Verjährung

Dem Angeklagten, einem hageren, grauhaarigen Mann, droht für das unerlaubte Inverkehrbringen von Fertigarzneimitteln bei einer Verurteilung bis zu einem Jahr Haft je Fall. Wird das Handeln als Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne Erlaubnis eingestuft, kann es eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft geben. Da einige der angeklagten Fälle zu verjähren drohen, wird gegen den 72-Jährigen auch unter Corona-Bedingungen verhandelt. Am nächsten Verhandlungstag will der Molekularbiologe selbst aussagen.

Quelle: DPA / RTL.de