Krebskranker bekommt über 250 Millionen Euro Schadenersatz: Jetzt stürzt die Bayer-Aktie ab

13. August 2018 - 14:32 Uhr

Dewayne Lee Johnson gewinnt den Rechtsstreit: Wird sein Fall Vorbild für andere Krebskranke?

Das Urteil könnte wegweisend für die Klagen vieler Krebskranker in den USA sein: Der an Lymphdrüsenkrebs leidende Dewayne Lee Johnson verwendete als Platzwart an kalifornischen Schulen häufig Unkrautvernichter wie Roundup und Ranger Pro von Monsanto. Im Rechtsstreit à la David gegen Goliath hat er überraschend gewonnen. Nachdem ein US-Gericht den Agrarchemie-Riesen Monsanto zu einer Schadenersatzzahlung von mehr als 250 Millionen Euro verurteilt hat, stürzen jetzt die Bayer-Aktien ab: elf Prozent Verlust, tiefster Stand seit Herbst 2013.

Über 4.000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto

Bayer könnte die milliardenschwere Monsanto-Übernahme teuer zu stehen kommen. Alleine in den USA laufen über 4.000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto, für die diese Entscheidung wegweisend sein könnte. Der frisch von Bayer übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto soll Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Roundup (enthält den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat) verschleiert haben – und deshalb einem Krebspatienten Schadenersatz in Höhe von 289 Millionen US-Dollar (254 Mio Euro) zahlen. Monsanto will dagegen in Berufung gehen. Der Konzern weist einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und dem Kontakt zu seinen Produkten zurück.

Nur ein Urteil von vielen, die noch folgen werden

Grundsätzlich ist es in den USA zwar nicht ungewöhnlich, dass die Strafzahlungen bei solchen Verfahren später erheblich verringert oder die Urteile in der nächsten Instanz wieder einkassiert werden. Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst sagte, das Urteil dürfte wegen der Unsicherheiten aber lange auf den Aktien lasten.

Aktuell ging es bei dem US-Urteil zwar nur um einen Einzelfall, doch weil es die erste Entscheidung überhaupt war, stand das Verfahren stark im Blick der Öffentlichkeit. Für die zentrale Streitfrage, ob das Herbizid Glyphosat krebserregend ist, hat das Urteil indes nur begrenzte Aussagekraft. Anders als das Gericht im aktuellen Fall zeigt sich etwa der US-Bundesrichter Vince Chhabria, bei dem viele Sammelklagen gebündelt sind, skeptisch, ob die Beweislage einen Zusammenhang wirklich eindeutig erkennen lässt. Letztlich ist das Urteil im Fall Johnson – so aufsehenerregend es auch sein mag – nur eines von vielen, die noch folgen werden. Und es ist keineswegs klar, wie die anderen Verfahren verlaufen.


Quelle: DPA/RTL.de