Krebs und Asthma drohen: Hohe Feinstaub-Belastung in deutschen Städten

15. April 2014 - 19:21 Uhr

Schadstoff-Emissionen verantwortlich für Asthma und Krebs

In deutschen Städten wird die Luft immer schlechter. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor hoher Feinstaub-Belastung in deutschen Städten. Schuld daran ist der weiterhin zunehmende Verkehr - und auch die Wetterlage. Zu wenig Luftaustausch, Saharastaub und natürlich die Emissionen aus Verkehrsabgasen, Heizungen und Industrieanlagen. All das macht uns Menschen krank. Entzündungen, Asthma und Krebs können die Folge sein.

Krebs und Asthma drohen: Hohe Feinstaub-Belastung in deutschen Städten
Feinstaub-Messstation: Die hohen Schadstoff-Emissionen sind verantwortlich für Asthma und Krebs.
© picture alliance, CHROMORANGE / Karl-Heinz Sprembe

Nach Angaben des Umweltbundesamtes gehen allein in Deutschland im Durchschnitt rund 47.000 Todesfälle jährlich auf die Belastung mit Feinstaub zurück.

Auch Verkehrsexperte Jens Hilgenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht einen gravierenden Anstieg der Feinstaubbelastung in Deutschland und warnt, dass diese Werte durchaus beunruhigend und "gefährlich sind für alle Beteiligten in Deutschland, sowohl für das Klima als auch für die Bürger."

Doch was bedeutet das konkret für unsere Gesundheit und was macht Feinstaub so gefährlich? Als Feinstaub bezeichnet man winzige Partikel, die für eine gewisse Zeit in der Luft schweben und beim Einatmen die Gesundheit gefährden können. Hilgenberg meint, dass "die Feinstaubpartikel in die Lungen, bis hin ins Blut gelangen und dort für Herzkreislauferkrankungen und sogar Krebs sorgen können."

Erschreckende Wahrheiten und keine guten Aussichten, denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Grenzwerte an etlichen Messstellen in diesem Jahr nicht eingehalten werden können, wie die 'Welt' unter Berufung auf Daten der Behörde berichtet.

Auf seiner Internetseite zeigt das Bundesamt immer die aktuellen Werte und eine Tabelle, in der man die Zahl der Tage mit Überschreitungen des Grenzwertes für jede Messstation ablesen kann.

Kommt jetzt der autofreie Sonntag?

Witterungsbedingt sei in diesem Jahr besonders der Osten Deutschlands betroffen. Stuttgart ist bei der Feinstaub-Belastung unrühmlicher Spitzenreiter in Deutschland. Am verkehrsreichen Neckartor wurde der erlaubte Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft bis Mitte März bereits an 36 Tagen überschritten, teilte die Landesanstalt für Umwelt mit. Brüssel gestattet 35 Grenzwertüberschreitungen im Jahr. An zweiter Stelle liegt laut 'Welt' die Messstelle in der Berliner Silbersteinstraße mit 33 Tagen gefolgt von einer Messstelle in Frankfurt (Oder) mit 32 Tagen.

Auch im Westen sind viele Städte von den hohen Belastungen betroffen, zum Beispiel Kassel. "Das Wetter ist nicht der Grund für die schlechte Luftqualität, es hat aber Einfluss auf die Konzentration der Schadstoffe", sagte Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie. Der eigentliche Grund für die schlechte Luft seien die Emissionen.

In Leipzig und Halle habe die Belastung an 30 Tagen über dem Grenzwert gelegen. "Überschritten werden die Grenzwerte vor allem dort, wo viel Verkehr ist, in Städten und Ballungsräumen", sagte der Feinstaub-Experte des UBA, Marcel Langner, dem Blatt.

Er forderte weitere Maßnahmen wie die Ausweitung von Durchfahrtsverboten für Lastwagen. Baumaschinen sollten künftig nur noch mit Rußfilter zum Einsatz kommen.

BUND Verkehrsexperte Hilgenberg geht noch einen Schritt weiter und fordert: "Weniger Autos in den Städten, mehr Rad- und Fußverkehr." Die Überlegungen gehen also wieder hin in Richtung Autofreier Sonntag, zumindest wenn es nach dem BUND geht. Vorbild könnte Paris sein, wo schon seit Jahren an allen Wochenenden des Jahres das rechte Seine-Ufer für Motorfahrzeuge gesperrt ist.

Vor kurzem forderte bereits Österreich, genauer gesagt die Stadt Graz, einen autofreien Tag. Demnach soll ein sogenanntes Feinstaub-Pickerl auf der Windschutzscheibe des Autos signalisieren, wann die Besitzer ihr Auto freiwillig stehen lassen. Als Gegenleistung erhalten sie ein vergünstigtes öffentliches Verkehrsticket. Durch diese Aktion erwarte man einen Rückgang des Feinstaubs von drei bis fünf Prozent. Die Plakette wird ab Oktober 2014 erhältlich sein.

Doch nicht nur Autos sind das Problem. Es gibt noch immer viele weitere Verursacher für die es noch keinerlei Grenzwerte gibt, wie beispielsweise Binnenschiffe oder Diesellokomotiven, die noch immer ohne Filter in Deutschland unterwegs sind.