Erste Randalierer werden dem Haftrichter vorgeführt

Krawall-Nacht in Stuttgart: 16-Jähriger trat Studenten gegen den Kopf, weil er Ausschreitungen kritisierte

23. Juni 2020 - 12:48 Uhr

Erste Verdächtige müssen zur Haftvorführung

Nach den Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt werden heute sieben Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt. Sie sollen in der Nacht auf Sonntag Teil der Menschenmenge gewesen sein, die auf Polizisten losging und Geschäfte plünderte. Die ersten beiden haben ihre Haftvorführung in Stuttgart bereits hinter sich und sitzen nun in Untersuchungshaft. Drei weitere Haftvorführungen sind noch für den Nachmittag geplant. Alle fünf sind laut Amtsgericht im Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Zwei Jugendliche werden außerdem in Bad Cannstatt einem Jugendrichter vorgeführt. Gegen einen 16-Jährigen wird sogar wegen versuchten Totschlags ermittelt.

Gegen 16-Jährigen wird wegen versuchten Totschlags ermittelt

Auch in der Nacht hatte es bereits zwei Haftvorführungen vor dem Bereitschaftsrichter gegeben. Einer der beiden Beschuldigten, sitzt nun in Untersuchungshaft, der andere wurde auf Kaution freigelassen, wie Monika Rudolph, Pressesprecherin des Amtsgerichts Stuttgart im RTL-Interview bestätigte.

Weiteren Haftvorführungen seien zumindest für heute noch nicht vorgesehen, das bedeute aber nicht, dass es nicht noch weitere geben könnte. "Die Ermittlungen sind einfach schwierig und umfangreich, darum können in den nächsten Tagen durchaus noch weitere Verhaftungen stattfinden." Auch die Palette der Vorwürfe sei groß, so die Sprecherin. Von gefährlicher Körperverletzung über Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Landfriedensbruch sei alles dabei.

Einem 16-Jährigen wirft die Polizei außerdem vor, einen am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf getreten zu haben. Das Opfer hatte die Ausschreitungen laut Polizei verbal kritisiert und war von einer Gruppe von Randalierern zusammengeschlagen worden. "Die Staatsanwaltschaft wirft diesem Beschuldigten versuchten Totschlag vor, da er den möglichen Tod des Studenten durch den gezielten Tritt gegen den Kopf zumindest billigend in Kauf genommen habe", hieß es in einer Pressemitteilung der Ermittler.

Auch dieser Vorfall schockierte: Ein Video aus der Tatnacht zeigt einen Angreifer, der mit ausgestrecktem Bein einem Polizisten in den Rüchen springt. Ob der Polizeitreter auch unter den Festgenommenen ist, ist bisher unklar.

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25 Menschen vorläufig festgenommen

Die Polizei geht davon aus, dass 400 bis 500 Menschen an den Krawallen in Stuttgart beteiligt waren. 25 Personen wurden laut Polizei Stuttgart nach der Randale vorläufig festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter zur Stuttgarter Party-Szene gehörten. Die Beschuldigten sind zwischen 16 und 33 Jahren alt. 16 vorläufig Festgenommene sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß. Bei ihnen seien die Vorraussetzungen für eine Untersuchungshaft nicht gegeben gewesen. Darum durften sie nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder gehen. 

Die Ausschreitungen waren nach Polizeiangaben sehr wahrscheinlich nicht politisch motiviert. "Wir haben noch keine verdichteten Hinweise darauf, dass hier tatsächlich eine politische Motivation oder entsprechend auch eine religiöse Motivation hinter diesen Taten steckt", sagte die baden-württembergische Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz.

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