Hunderte Randalierer verwüsten die Innenstadt

Krawall-Nacht: "Solche Szenen hat es in Stuttgart noch nie gegeben"

21. Juni 2020 - 16:00 Uhr

Bislang 24 Festnahmen

Bei Straßenschlachten mit der Polizei haben in der Nacht zum Sonntag dutzende gewalttätige Kleingruppen die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. Insgesamt gab es bislang 24 Festnahmen. In einer Pressekonferenz in der baden-württembergischen Hauptstadt äußern sich die Zuständigen zur Lage. Laut Polizeivizepräsident Thomas Berger eskalierte die Situation, als die Polizei einen 17-Jährigen im wegen Verdachts auf ein Drogendelikt kontrollieren wollte. 200 bis 300 Menschen hätten sich sofort mit dem Jugendlichen solidarisiert und hätten begonnen, die Beamten mit Steinen und Flaschen zu bewerfen.

"Es wurde richtig randaliert"

"Solche Szenen hat es in Stuttgart noch nie gegeben", ist der Polizeivizepräsident überzeugt. "Wir haben es nicht geschafft, die Situation in der ersten Phase in den Griff zu bekommen", erklärt er. Auf dem Schlossplatz in Stuttgart hätte sich die Gruppe der Randalierer noch einmal vergrößert, sodass die Beamten plötzlich einem Mob von 400 bis 500 Krawallmachern gegenüber standen.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen handele es sich bei den Randalierern um Mitglieder der "Party- und Eventszene", so die Polizei. Eine politische Motivation für die Gewalttaten wird derzeit ausgeschlossen. Es habe sich um einen "bunten Mix" an Leuten gehandelt, die in der Nacht in der Innenstadt unterwegs waren. Die Menschen hätten kleine Grüppchen gebildet und randalierend durch die Innenstadt gezogen. 

 Aufräumarbeiten nach Randale in der Stuttgarter Innenstadt. Rund 500 Menschen haben sich in der Nacht zum Sonntag zusammengerottet, Schaufenster zerstört und geplündert. Schwerpunkte waren die Marienstraße und die Fußgängerzone Königsstraße. // 20.0
Aufräumarbeiten nach Randale in der Stuttgarter Innenstadt. Rund 500 Menschen haben sich in der Nacht zum Sonntag zusam
© imago images/Arnulf Hettrich, ARNULF HETTRICH via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Mindestens 19 verletzte Polizeibeamte

Im Kurznachrichtendienst Twitter kursierten Videoaufzeichnungen von jungen Männern, die gegen Schaufensterscheiben von Geschäften traten oder Pflastersteine aus dem Boden rissen. Der Polizeisprecher sagte: "Es wurde richtig randaliert." Eine ganze Reihe von Geschäften seien betroffen gewesen, zudem Fahrzeuge. Es habe auch Plünderungen gegeben. Schwerpunkte seien der Schlossplatz und die benachbarte Königstraße gewesen, die als Stuttgarts Shoppingmeile bekannt ist.

Mindestens 19 Polizeibeamte wurden in der Krawall-Nacht verletzt. Die Zahl könne sich noch erhöhen, da die Beamten im Einsatz sich oft erst später mit Verletzungen meldeten, sagte Berger. 24 Verdächtige wurden inzwischen festgenommen – zwölf davon hätten die deutsche Staatsbürgerschaft, die anderen seien aus verschiedenen anderen Ländern. Sieben der Festgenommenen sollen nun auch einem Haftrichter vorgeführt werden.

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Aufräumarbeiten nach Randale in der Stuttgarter Innenstadt. Rund 500 Menschen haben sich in der Nacht zum Sonntag zusammengerottet, Schaufenster zerstört und geplündert. Schwerpunkte waren die Marienstraße und die Fußgängerzone Königsstraße. // 20.06
Aufräumarbeiten nach Randale in der Stuttgarter Innenstadt.
© imago images/Arnulf Hettrich, ARNULF HETTRICH via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Oberbürgermeister von Stuttgart: "Das ist nicht akzeptabel"

Die Krawalle hätten gegen Mitternacht begonnen. Weil viele Bars und Clubs wegen der Corona-Krise noch nicht wieder normal geöffnet sind, halten sich am Wochenende im Moment besonders viele Menschen im Freien in der Stadt auf. Am Sonntagmorgen hieß es, die Lage habe sich beruhigt. 280 Polizeibeamte seien im Einsatz gewesen, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Auch an vergangenen Wochenenden war es zu Auseinandersetzungen von überwiegend jungen Menschen mit der Polizei gekommen - allerdings nicht in dem Ausmaß wie jetzt.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte, dass eine Grenze überschritten sei. "Ich war sehr schockiert, als ich heute Morgen von den Ereignissen in der Nacht erfahren habe", sagte er bei einer Pressekonferenz. "Ich will klar sagen: Was dort in der Nacht geschehen ist, geht nicht", so Kuhn. Wer so etwas tue, gefährde die "Freiheit der Stuttgarter Sommernächte". Nichts würde so eine Gewalt gegen Polizeibeamte rechtfertigen.