Krasse Ungleichheit: 40 Deutsche besitzen so viel wie 50 Prozent der Bevölkerung

(180122) -- DAVOS (SWITZERLAND), Jan. 22, 2018 -- People walk in the snow in Davos, Switzerland, on Jan. 22, 2018. Davos, which is hosting world leaders for the Jan. 23-26 annual meeting of the World Economic Forum (WEF), was also affected by heavy s
Im zugeschneiten Davos treffen sich die Profiteure des Wirtschaftswachstums. Doch beim normalen Bürger kommt davon nichts an. Dies kritisiert die Hilfsorganisation Oxfam in ihrem Bericht.
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Ungleichgewicht und Vermögen der Reichen wachsen

Die Mächtigen dieser Welt treffen sich gerade wieder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Und sie können wirklich nicht klagen, denn es läuft nicht schlecht für unsere Eliten. Die Wirtschaft boomt und die Reichen werden immer reicher. Das heißt aber auch: Die Ungleichheit auf der Welt steigt immer stärker an - auch in Deutschland. Mit schwerwiegenden Folgen.

Das reichste Prozent der Menschheit hat mehr Vermögen als die übrigen 99 Prozent zusammen

Ein paar Zahlen, die das Ausmaß der Ungleichheit verdeutlichen: Das reichste Prozent der Menschheit hat mehr Vermögen als die übrigen 99 Prozent zusammen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und wir Deutschen spielen in dieser Liga munter mit: Denn hierzulande verfügten die reichsten 40 Personen über das gleiche Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, sagte Oxfam-Expertin Ellen Ehmke. Ein normaler Arbeitnehmer müsste 157 Jahre arbeiten, um das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Dax-Vorstandsvorsitzenden zu erzielen.

Die Risse, die durch unsere Gesellschaft gehen, sind jetzt schon eklatant. Abgesehen natürlich von der globalen Ungleichheit, die die Industrieländer mit der Fluchtproblematik konfrontieren. Der Klimawandel tut hier sein Übriges.

In Deutschland haben die vergangenen Regierungen nichts gegen die Ungleichheit getan, sie haben sie vielmehr durch ihre Maßnahmen gefördert. Und in den USA erleben die Menschen momentan einen schönen Zusammenhang von der Steuerreform des US-Präsidenten Donald Trump und der Haushaltslage. Während nämlich vornehmlich die Superreichen von der Steuerreform profitieren, ist der Staat so überschuldet, dass er die öffentlichen Institutionen nicht mehr betreiben kann. Und durch die Steuererleichterungen wird dem Staat künftig noch mehr Geld fehlen. Während also die Reichen Geld sparen, ist für die Armen nicht einmal mehr eine öffentliche Einrichtung vorhanden. Das ist Politik à la Trump.

"Das Problem ist nicht die Generierung des Vermögens, sondern seine Verteilung"

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) will sich angesichts der Krisen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bei seiner Tagung in Davos als Motor für Zusammenarbeit anbieten. "Derzeit mangelt es an Kooperation und Verständnis", sagte WEF-Präsident Borge Brende. Das Treffen bringe verschiedenste Akteure zusammen - "und wir bieten die Plattform, um Zusammenarbeit zu fördern". Die Organisation Oxfam rief die Teilnehmer der Tagung dazu auf, gegen die Steuervermeidung von Konzernen und Einzelnen vorzugehen, faire Einkommen für Männer und Frauen durchzusetzen sowie in Bildung und Gesundheit für alle zu investieren.

"Das Problem ist nicht die Generierung des Vermögens, sondern seine Verteilung", sagte Philip Jennings, Chef des Gewerkschafts-Dachverbands UNI Global Union. Jennings sprach von einer "Krankheit", für die eine Heilung gefunden werden müsse. Auch der Papst hatte die Wirtschaftselite in einer Grußbotschaft aufgefordert zur "Überwindung zwischenmenschlicher und interstaatlicher Konflikte" beizutragen.

Das können die Wirtschaftslenker um Trump, Angela Merkel und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, bei einem Gläschen Schampus mal besprechen.