Krasse Mieterhöhung in Frankfurt: Rentner soll plötzlich 2.400 statt 750 Euro zahlen

27. Februar 2017 - 13:39 Uhr

"Ich dachte, mich küsst ein Elch"

Mieterhöhungen findet wohl jeder unangenehm, doch was dieser Mieter erlebte, ist ein wahrer Schock. Statt rund 750 Euro sollte Paul Bartholomäi plötzlich über 2.400 Euro pro Monat zahlen. "Ich dachte, mich küsst ein Elch", erzählt der Rentner. Das Frankfurter Jugendstilhaus, das er bewohnt, wurde verkauft. Der neue Hauseigentümer wollte Geld in die Hand nehmen und das Gebäude von Grund auf modernisieren.

Ein wärmegedämmtes Dach, neue Fenster, eine energiesparende Heizung und moderne Badezimmer – die Kosten für solche Arbeiten dürfen auf die Mieter umgelegt werden. Elf Prozent monatlich sind per Gesetz erlaubt. Bei Bartholomäi fällt die Mieterhöhung so drastisch aus, weil jahrelang nicht viel an dem Altbau gemacht wurde. Auch die Miete des Rentners war seit Jahren nicht erhöht worden, weil sich die vorherigen Hauseigentümer nicht einig waren.

Der neue Besitzer will die Miete nun auf einen Schlag auf das ortsübliche Niveau im Frankfurter Nordend anheben. Das kann er, weil Modernisierungsmaßnahmen auf Mieter umgelegt werden dürfen. Eine kleine Erhöhung hätte Bartholomäi in Kauf genommen, aber eine Verdreifachung kann er sich einfach nicht leisten. Darum bleibt ihm nur der Auszug.

"Hier will einer das schnelle Geld machen"

Die Geschichte des Rentners ist ein krasser Einzelfall. Dennoch kommt es häufiger vor, dass Firmen Häuser aufkaufen, um sie aufwendig zu renovieren. Dass alte Mieter zugunsten wohlhabenderen neuen Mietern vertrieben werden, wird dabei billigend in Kauf genommen. "Hier will einer das schnelle Geld machen", vermutet auch Jürgen Conzelmann, Vorsitzender der Vermietervereinigung 'Haus und Grund' in Frankfurt.

Damit solche drastischen Erhöhungen in Zukunft nicht mehr möglich sind, fordert die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen seit Jahren eine Kappungsgrenze bei Modernisierungen. "Wir wollen eine Deckelung", sagt sie. Maximal drei Euro pro Quadratmeter soll die Miete innerhalb von acht Jahren steigen dürfen, meint die Politikerin.

Modernisierung oder Instandsetzung?

Eine Chance bleibt aber, wenn der Vermieter eine Mieterhöhung wegen umfangreicher Modernisierungen ankündigt. Man kann prüfen lassen, ob es sich bei den Arbeiten wirklich um Modernisierungen handelt – also Maßnahmen, die den Wert des Mietobjekts verbessern. Reine Instandsetzungsarbeiten dürfen nicht auf den Mieter umgelegt werden.

Auch bei dem Jugendstilhaus in der Lersnerstraße ist es fraglich, ob alle Bauarbeiten wirklich Modernisierungen sind. Bartholomäi holte sich Rat bei einem Anwalt und bei einem Mieterschutzverein. "Die haben sofort gesagt, dass der gute Mann da Dinge mit hineingerechnet hat, die eigentlich seine Sache sind, die unter Reparatur fallen", erzählt der Rentner. Auf eine Prüfung seines Falls verzichtet er trotzdem. Diesen juristischen Ärger wollte sich der langjährige Mieter sparen – er zieht nun aus.