Forschungsprojekt der Hochschule Fresenius

Krankheiten können bei Säuglingen am Schreien erkannt werden

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22. November 2019 - 13:19 Uhr

Das Verfahren könnte den Leidensweg kranker Säuglinge mildern

Für Eltern schreit das Kind nicht immer gleich - meist können sie unterscheiden, ob es Bauchschmerzen hat, zu Mama möchte oder doch Hunger hat. Jetzt hat ein Forschungsteam der Hochschule Fresenius ein Diagnoseverfahren entwickelt, mit dem anhand des Schreiens von Babys sogar Krankheiten erkannt werden können. Mit 99-prozentiger Zuverlässigkeit kann durch das technische Verfahren unterschieden werden, ob das Schreien eine gesunde oder pathologische Ursache hat. Zudem gibt es erste Hinweise zum Krankheitsbild. Das Verfahren könnte den Leidensweg kranker Säuglinge mildern und Entwicklungsproblemen vorbeugen.

„Die Trefferquote lag dabei bei über 99 Prozent, ein wirklich herausragendes Ergebnis“

In dem Forschungsprojekt wurden 72 Säuglinge mit Krankheiten wie Hörstörungen, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, zu weichem Knorpelgewebe am Kehlkopf oder mit Sauerstoffmangel während des Geburtsvorgangs untersucht. Durch die Analyse des Schreiens der Babys konnten bestimmte akustische Parameter festgestellt werden, die mit krankhaften Prozessen zusammenhängen. "Mithilfe eines speziellen technischen Verfahrens ist es uns erstmals gelungen, nicht nur gesunde von pathologischen Schreien zu unterscheiden, sondern letztere auch einem bestimmten Störungsbild zuzuordnen", so Dr. Tanja Fuhr aus dem Forschungsteam. Und das mit Erfolg: "Die Trefferquote lag dabei bei über 99 Prozent, ein wirklich herausragendes Ergebnis."

Die Forscher benötigen eine größere Teilnehmerzahl

"Der nächste Schritt wäre nun die Validierung unserer Ergebnisse, um daraus eine Allgemeingültigkeit abzuleiten", erklärt Dr. Fuhr. Die Validierung konnte bisher nicht erfolgen, da die Forscher eine größere Probandenanzahl pro Störungsbild benötigen. Erst dann könne das technische Verfahren in Form einer App in Kliniken und Kinderarztpraxen eingesetzt werden. Da es sich teilweise um seltene Störungen handle, könne es schwer werden, die benötigte Teilnehmeranzahl zu bekommen.