Krankenkassen-Studie: Eine Generation zockt sich krank

9. November 2014 - 15:08 Uhr

Jugendliche verbringen zu viel Zeit mit Videospielen und Smartphones

Eine ganze Generation zockt sich krank: Eine neue Studie der Techniker Krankenkasse zeigt, dass Jugendliche bedenklich viel Zeit vor dem Computer und mit dem Smartphone verbringen. Das hat Folgen für ihre Entwicklung. Jungs spielen demnach besonders viel an der Spielkonsole, Mädchen verbringen viel Zeit beim Simsen und Chatten.

Ein Kind mit einem Videospiel-Controller
Viel Freizeit der Jugendlichen geht mit Videospielen und Smartphones drauf.
© B1861 Lehtikuva Oy, B1861 Lehtikuva Saukkomaa

Das Freizeitverhalten von über 1.500 Jugendlichen hat die Techniker Krankenkasse gemeinsame mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa untersucht. Von den Jugendlichen unter 18 Jahren haben 80 Prozent ein Smartphone – wenig überraschend. 70 Prozent der Jungs haben eine Spielkonsole zum Zocken - und verbringen große Teile ihrer Freizeit damit. Nach der Schule zocken 60 Prozent der Jungs mindestens zwei Stunden pro Tag vor Playstation, X-Box und Co. Und die Mädchen? Sie schreiben sich – und zwar sehr ausführlich: 145 Minuten, also zweieinhalb Stunden am Tag, im Durchschnitt!

"Kinder haben Beeinträchtigungen bei der Aufmerksamkeit"

All das hat Folgen: "Kinder haben vor allem Beeinträchtigungen bei der Aufmerksamkeit und beim Aufrechterhalten der Kontrolle über sich selbst. Deswegen sind sie einfach 'hibbeliger'", erklärt Hirnforscher Manfred Spitzer. Sie könnten nicht so gut lernen, denn bei den Aktivitäten würden immer nur kurz Tasten gedrückt – "aber lernen besteht ja vor allem daraus, dass man auch dran bleibt", so Spitzer.

Auch Heiko Schulz, Psychologe der Krankenkasse, sieht die Folgen ungesunden Medienkonsums durch die Studie bestätigt: "Die Umfragedaten zeigen, dass Kinder, die laut ihrer Eltern deutlich zu viel online sind, auch stärker von gesundheitlichen Belastungen betroffen sind. Der Anteil der Jugendlichen, die unter Stress, Konzentrations- und Schlafstörungen leiden, ist bei den Extremsurfern deutlich höher."

Gut wäre auch mehr Bewegung, doch nicht mal 30 Prozent der Jungs und Mädels schaffen eine Stunde am Tag. Was heißt das für die Eltern? Zocken und Simsen komplett verbieten, geht wohl nicht - aber die Dauer etwas kritischer überwachen, das müsste machbar sein. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, sagt dazu: "Wie viel und welche digitalen Angebote Jugendliche nutzen dürften, ist in fast jeder Familie ein Thema. Auch wenn Kinder ihren Eltern und Pädagogen bei der Bedienung der Geräte überlegen sind, bleibt es Aufgabe der Eltern zu entscheiden, wie viel und welche Inhalte für das Kind sinnvoll sind."