2014 M09 12 - 14:45 Uhr

Fünf Mal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr

Krankenhaus, das steht für Gesundheit und Hilfe. Patienten verlassen sich darauf, dass sie dort sicher behandelt werden. Es wird erwartet, dass die Patientensicherheit für alle Beteiligten eine große Rolle spielt. Im Allgemeinen kann davon auch ausgegangen werden.

Krankenhaus-Report, AOK, Behandlungsfehler
"Viele Behandlungsfehler ließen sich durch zusätzliche Bemühungen um mehr Patientensicherheit vermeiden", sagt Jürgen Klauber, Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports 2014.
© dpa, Paul Zinken

Dennoch ist die Tatsache nicht zu verleugnen, dass eine Krankenhausbehandlung nicht nur Gutes bewirken, sondern auch ein Risiko für Patienten bedeuten kann. Jeder kennt Berichte über kaum nachzuvollziehende Behandlungsfehler. Die Frage ist: Handelt es sich hier nur um Ausnahmen oder ist es nur die Spitze des Eisbergs?

Fakt ist, dass es etwa bei jeder hundertsten Krankenhausbehandlung zu einem Behandlungsfehler kommt, oftmals mit der Folge gravierender gesundheitlicher Probleme. Dabei endet jede zehnte davon sogar tödlich. Pro Jahr sind das rund 19.000 Todesfälle und damit mehr als fünf Mal so viele wie im Straßenverkehr.

"Viele Fehler ließen sich durch zusätzliche Bemühungen um mehr Patientensicherheit vermeiden", sagt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des neu erschienenen Krankenhaus-Reports 2014, der sich dem Schwerpunkt der Patientensicherheit widmet.

"Diese Zahl umfasst ausschließlich diejenigen Fälle, bei denen ein echter Behandlungsfehler vorliegt. Die Zahl der Krankenhausfälle mit unerwünschten, aber vermeidbaren Ereignissen (zum Beispiel allergische Reaktion auf ein Medikament, Entzündungen) liegt gar in einer Größenordnung zwischen 360.000 und 720.000 Fällen", so Max Geraedts von der Universität Witten/Herdecke und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports.

"Die Ursachen für Behandlungsfehler und vermeidbare Schäden sind vielfältig. Dazu zählen Fehler bei der Medikamentengabe, schadhafte Medizinprodukte oder die mangelnde Umsetzung von Hygienevorschriften", erklärt Klauber.

Qualitätsunterschiede sind erheblich

Jährlich ziehen sich knapp vier Prozent der Krankenhauspatienten während des Krankenhausaufenthalts Infektionen zu. "Auch eine unzureichende Sicherheitskultur in den Krankenhäusern spielt immer wieder eine Rolle", so Geraedts. "Organisatorische Defizite, mangelnde Abstimmung zwischen den Krankenhausmitarbeitern und der mitunter zu geringe Stellenwert von Sicherheitsbelangen können für die Patienten verheerende Folgen haben."

Der Report zeigt anschaulich, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, die Patientensicherheit zu verbessern. Fehlerbezogene Berichts- und Lernsysteme sowie praxisnahe Schulungen sind wichtige Ansatzpunkte, um typische Fehlerquellen zu erkennen und zukünftig zu vermeiden. Bei der sichereren Verordnung von Arzneimitteln können außerdem elektronische Unterstützungssysteme helfen.

Darüber hinaus gehört selbstverständlich auch, dass Patienten und Ärzte die Behandlungsqualität einer Klinik kennen und sich aufgrund dieser Informationen für ein Krankenhaus entscheiden können. Denn die Qualitätsunterschiede zwischen den Häusern sind erheblich. Wie unterschiedlich die Qualität einer Krankenhausbehandlung ausfallen kann, zeigt sich beispielsweise beim Hüftgelenkersatz bei Arthrose. So mussten im Durchschnitt aller deutschen Kliniken rund vier Prozent der AOK-Patienten der Jahre 2009 bis 2011 binnen Jahresfrist erneut operiert werden (Revision).

Bei den zehn Prozent der schlechtesten Krankenhäuser übersteigt die beobachtete Revisionsrate den jeweiligen Erwartungswert jedoch um mindestens 93 Prozent. Dagegen unterschreitet das Zehntel der besten Krankenhäuser die für das jeweilige Haus erwartete Revisionsrate um mindestens 56 Prozent.

"Eine mögliche Erklärung für diese Qualitätsunterschiede ist, wie häufig eine Operation an einer Klinik durchgeführt wird. Vieles spricht dafür, dass mit steigender Erfahrung und Routine bessere Ergebnisse erzielt werden", meint Klauber.

Für planbare Hüftgelenk-Operationen kann der Krankenhaus-Report 2014 diesen Zusammenhang zwischen der Zahl der erbrachten Eingriffe und der Ergebnisqualität deutlich belegen. Das Fünftel der Krankenhäuser mit den wenigsten Eingriffen weist im Vergleich zum Fünftel mit den meisten Behandlungen eine um 37 Prozent höhere Revisionsrate auf.